01.11.2017  Karstadt-Eigentümer bietet 3 Milliarden Euro

Benko bietet für Kaufhof - neuer Anlauf für Deutsche Warenhaus AG

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Bald zusammen?
DPA
Bald zusammen?

Karstadt-Eigentümer Rene Benko wagt sich aus der Deckung und bietet bis zu 3 Milliarden Euro für die angeschlagene Warenhauskette Kaufhof. Nun ist Kaufhof-Mutter Hudson's Bay am Zug.

Der österreichische Karstadt-Eigentümer Signa hat in dieser Woche eine bis zu drei Milliarden Euro schwere Offerte für die Warenhauskette Kaufhof vorgelegt. Das Angebot sei durchfinanziert und umfasse auch die Schulden, erfuhr manager-magazin.de am Mittwoch.

Die Kaufhof-Immobilien würden dabei mit 2,63 Milliarden Euro bewertet. 41 von Kaufhof angemietete Warenhaus-Immobilien befinden sich derzeit im Eigentum eines Joint-Ventures namens HBS Global Properties, das zu 63 Prozent der Hudson's Bay Company (HBC) gehört. Auf der Basis des vorgeschlagenen Deals würden nach Informationen von manager-magazin.de lediglich etwa 1,3 Milliarden Euro von Signa an HBC/HBS fließen.

Denn bei einem 1,3 Milliarden Euro betragenden Immobiliendarlehen, das HBS 2015 bei einem Konsortium unter Führung der LBBW aufgenommen hatte, würde Signa als neuer Kreditnehmer einspringen. Zudem übernähme Signa 350 bis 380 Millionen Euro an Kaufhof-Pensionsverpflichtungen Von den 1,3 Milliarden Euro, die Signa zahlen würde, müsste das Unternehmen nur etwa 700 Millionen Euro fremdfinanzieren. Für diese Summe liegt offenbar die verbindliche Zusage einer europäischen Großbank vor. Das erforderliche Eigenkapital käme von der Immobilientochter Signa Prime Selection, die vor kurzem ihr Kapital um eine Milliarde Euro erhöht hatte.

Offensichtlich will Signa mit der Offerte, die an HBC und HBS sowie an alle Board-Mitglieder ging, den Chairman und Interims-CEO Richard Baker unter Druck setzen. Baker hatte sich bisher geweigert, mit Signa auch nur zu sprechen. Bis Mitte November werde eine Antwort von HBC erwartet, ließ Signa verlauten.

Bei HBC hieß es, die Gesellschaft habe ein "unvollständiges, nicht bindendes und unerwünschtes" Angebot von Signa erhalten. Man werde die Offerte pflichtgemäß prüfen. Das europäische Geschäft spiele jedoch eine wichtige Rolle in der Strategie des Konzerns. Die HBC-Aktie legte nach der Nachricht um acht Prozent zu.

Hinter Signa steht der Investor Rene Benko, der 2015 die Karstadt-Warenhäuser übernommen hatte. Benko wollte danach auch den Konkurrenten Kaufhof kaufen und damit die Idee einer deutschen Warenhaus AG wieder aufleben lassen.

Dieser Plan scheiterte jedoch - den Zuschlag für die damalige Metro-Tochter Kaufhof erhielt für 2,8 Milliarden Euro die kanadische Gruppe Hudson's Bay (HBC). Erst Anfang Oktober rüstete sich Signa mit einer Kapitalerhöhung von einer Milliarde Euro für mögliche Zukäufe.

Investoren von HBC machen Druck

Kaufhof kämpft mit Umsatzrückgängen und Verlusten. Die Warenhauskette drängt die Gewerkschaft Verdi zu Gesprächen über einen neuen Tarifvertrag, um bei den Löhnen und Gehältern ihrer Mitarbeiter zu sparen. Dies ist besonders pikant, da die finanzschwache Kaufhof-Mutter HBC nach Informationen von manager magazin seit der Übernahme von Galeria Kaufhof tief in die Kasse der deutschen Kaufhaus-Kette gegriffen hat.

Dennoch hatte HBC zuletzt noch betont, keine Verkaufsabsichten für Kaufhof zu haben. "Wir stehen zu HBC Europa. Wir haben kein Interesse und keine Pläne, unser Geschäft an irgendjemanden zu verkaufen - Punkt!", sagte HBC-Chef Richard Baker erst vergangene Woche der Nachrichtenagentur Reuters.

Doch der Druck auf Baker ist groß. Der aktivistische Investor und HBC-Aktionär Land and Buildings forderte schon im Sommer, dass sich der Konzern von Immobilien und vom Europa-Geschäft um Kaufhof trennt.

Zuletzt verschaffte sich HBC etwas Luft, indem er einen neuen Investor an Bord holte, für mehr als 700 Millionen Euro eine Immobilie in New York verkaufte und ein Bündnis mit dem Büroflächen-Anbieter WeWork schmiedete.

HBC steckt wie die unter Verlusten und rückläufigen Umsätzen leidende deutsche Tochter Kaufhof schon länger in der Krise. Erst am Freitag hatten sich die Kanadier - kurz vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft - von ihrem Chef Jerry Storch getrennt.

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