16.05.2018 
Wegwerfbecher

Die Coffee-to-go-Ökonomie

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Einweg-Kaffeebecher: 320.000 Stück werden pro Stunde in Deutschland nach wenigen Minuten Gebrauch in den Müll geworfen. Pfandsysteme wie Recup oder Freiburg Cup steuern dagegen
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Einweg-Kaffeebecher: 320.000 Stück werden pro Stunde in Deutschland nach wenigen Minuten Gebrauch in den Müll geworfen. Pfandsysteme wie Recup oder Freiburg Cup steuern dagegen

  • Copyright: [M] Charlie Abad via Getty Images
    [M] Charlie Abad via Getty Images
    Milliarden Tonnen an Plastik wurden bereits produziert, für Verpackungen, als Baumaterial, als Grundstoff für besonders langlebige Produkte und vieles mehr. Doch Plastik vermüllt zunehmend den Planeten und wird zur Gefahr für die Menschheit. Lesen Sie alles über Produzenten, Verbraucher, Lösungsansätze.
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Das Problem: Müll fast bis zum Mond

320.000 Kaffeebecher werden in Deutschland nach einmaligem Gebrauch weggeworfen - pro Stunde. Das sind 2,8 Milliarden Einwegbecher pro Jahr, die aufeinander gestapelt einen 300.000 Kilometer hohen Turm bilden würden. Das wären drei Viertel der Strecke von der Erde bis zum Mond, hat die Deutsche Umwelthilfe ausgerechnet. Da die mit Kunststoff beschichteten Pappbecher nur zu fünf Prozent aus Kunststoff bestehen, ist eine Feintrennung und Wiederverwertung der Wertstoffe schwierig: Der Großteil der Becher landet in Mülltonnen oder in der freien Natur.

Kaffeebecher werden im Fachjargon "großräumige Hohlkörper" genannt - die sehr schnell einen städtischen Mülleimer zum Überquellen bringen und rasch vom Wind über öffentliche Plätze, Parks und Straßen weiterverteilt werden. Selten sind die Begleiterscheinungen unserer Wegwerfgesellschaft so anschaulich zu verfolgen und mit Händen zu greifen wie am Beispiel des Kaffeebechers: Jeder hat ihn schon einmal gekauft und in Händen gehalten, um ihn nach wenigen Minuten Gebrauch (im Durchschnitt sind es 13 Minuten) in einen Mülleimer zu stopfen.

Auch wenn die Einwegbecher mit rund 40.000 Tonnen Müll pro Jahr nicht einmal 1 Prozent des jährlichen Plastikmüll-Aufkommens ausmachen - am Kaffeebecher entscheidet sich für jeden persönlich (und für alle anderen sichtbar), wie man es mit dem Thema Müllvermeidung hält.

Sind Sie ein Wegwerfer oder ein Mehrweg-Mensch? Und welche Alternativen zum Einwegbecher sind sinnvoll?

Die Alternativen: Angebote und Rabatte für Mehrfach-Nutzer

Freiburg Cup - Freiburg verteilt Pfandbecher

Die Alternativen zum Wegwerfbecher sind zahlreich. Als Vorreiter in Deutschland hat die grüne Unistadt Freiburg bereits 2016 ein Pfandsystem für Kaffeebecher gestartet. Inzwischen wurden rund 20.000 wiederverwendbare Mehrweg-Becher, so genannte "Freiburg Cups", gratis an 112 teilnehmende Cafés, Gaststätten, Bäckereien und Restaurants verteilt. Kunden können sich für einen Einweg-Kaffeebecher oder den Pfandbecher entscheiden: Dann zahlen Sie ein Euro Pfand für den Becher und können den Becher bei allen teilnehmenden Cafés wieder abgeben und ihr Pfand zurückbekommen.

Das System profitiert davon, dass es in Freiburg inzwischen zum guten Ton gehört, mitzumachen und den Aktionsaufkleber "Freiburg Cup" an der Eingangstür zu platzieren. Wer das Angebot ignoriert, riskiert einen Imageverlust.

Die Abfallwirtschaft Freiburg hat seit Beginn der Aktion zwar noch keinen dramatischen Rückgang der täglichen Plastik-Müllmengen beobachtet, sieht aber einen Effekt vor allem in den von Studenten und jungen Menschen genutzten Einrichtungen: Dort sei die Zahl der Mehrweg-Nutzer deutlich gestiegen.

Becher-Bonus: Aral, McDonald's und Tchibo machen mit

Wer seinen eigenen Mehrweg-Becher mitbringt, bekommt den Kaffee günstiger: Die Idee des Becher-Bonus kam vor zwei Jahren von der hessischen Umweltministerin Priska Hinz. Statt selbst Pfandbecher zu verteilen, wurden Coffee-to-go-Betriebe zunächst einmal per Brief dazu motiviert, Kunden einen Rabatt von mindestens 10 Cent auf ihren Kaffee zu geben, wenn diese einen eigenen Becher mitbringen. Inzwischen beteiligen sich bundesweit mehr als 60 Unternehmen mit knapp 4000 Filialen an der Aktion - der eigene Aufwand hält sich für die Unternehmen in Grenzen, und für das Image ist es ein Gewinn.

Die Tankstellenkette Aral, einer der größten Kaffee-to-go-Anbieter Deutschlands, ist mit 10 Prozent Rabatt ebenso dabei wie die Bäckerei Kamps, die Imbissketten Nordsee und McDonald's oder die Kaffee- und Discounterkette Tchibo. Die Deutsche Bahn gewährt in ihren Bordbistros sogar 20 Cent, bei Alnatura oder Starbucks gibt es 30 Cent Rabatt auf den Kaffee.

Angesichts der hohen Gewinnmargen beim Verkauf des Heißgetränks können sich die Ketten diese Rabatte locker leisten - zumal der Anteil der Kunden, die tatsächlich einen eigenen Becher mitbringen, nach Auskunft einer Sprecherin von McDonald's noch sehr überschaubar ist. Und wer noch keinen hat, kann im Aral-, Alnatura- oder Starbucks-Shop natürlich gleich einen schicken Mehrweg-Becher kaufen - auch wenn er dort natürlich teurer ist als beim Haushalts-Discounter.

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