16.05.2018 
Wegwerfbecher

Die Coffee-to-go-Ökonomie

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Einweg-Kaffeebecher: 320.000 Stück werden pro Stunde in Deutschland nach wenigen Minuten Gebrauch in den Müll geworfen. Pfandsysteme wie Recup oder Freiburg Cup steuern dagegen
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Einweg-Kaffeebecher: 320.000 Stück werden pro Stunde in Deutschland nach wenigen Minuten Gebrauch in den Müll geworfen. Pfandsysteme wie Recup oder Freiburg Cup steuern dagegen

2. Teil: Zum Recup-Partner statt zur Mülltonne: Pfandbecher für Cafés, Rabatte für die Kunden

Recup: Pfandbecher für Cafés, Rabatte für die Kunden

Das bayerische Start-up "Recup" verbindet das Rabatt- und Pfandbecher-System und hat sich zum Ziel gesetzt, den Mehrweg-Kaffeebecher bundesweit durchzusetzen. Dem Kunden wird es dabei so leicht wie möglich gemacht: Er kann sich in jedem der teilnehmenden Gaststätten und Cafés für einen Mehrweg-Pfandbecher entscheiden und zahlt dafür einen Euro Pfand. Den Kaffee gibt es dafür im Gegenzug günstiger.

Ist der Kaffee ausgetrunken, kann der Becher bei jedem Recup-Partner wieder abgegeben werden. Eine App auf dem Handy des Kunden weist den kürzesten Weg zum nächsten teilnehmenden Laden. Dort gibt es das Pfand zurück, und der Recup-Partner übernimmt die Reinigung des Bechers, den es in mintgrün (0,4 Liter) oder cappucinobraun (0,3 Liter) gibt. Die Becher bestehen aus Polypropylen, einem Kunststoff, der vollständig recycelbar ist und bis zu 500mal wiederverwendet werden kann.

"Wir wollen Nachhaltigkeit im Vorbeigehen anbieten", fasst Recup-Mitgründer Fabian Eckert zusammen. Knapp 30.000 Recup-Becher sollen bereits in Umlauf sein, zuletzt hat die Hamburger Umweltbehörde den Recup-Mehrwegbecher in der Hansestadt mit einer Fördersumme von überschaubaren 30.000 Euro auf den Weg gebracht.

Finanzieren soll sich das Modell vor allem über Lizenzgebühren. Das Start-up stellt die Becher zur Verfügung, hält die App für die Kunden auf dem neuesten Stand und bietet den teilnehmenden Partnern wahlweise einen kostenpflichtigen Reinigungsservice an - die Teilnehmer zahlen einen Euro Lizenzgebühr pro Tag und können neben dem Imagegewinn darauf hoffen, ihren Einwegbecher-Verbrauch deutlich zu reduzieren. Der Deckel für die Recup-Becher ist zwar nicht Teil des Pfandsystems, doch ist auch er aus Polypropylen und passt auf beide Bechergrößen. Wer mag, kann den den Deckel behalten und mehrfach benutzen - je nachdem, wie weit die Mehrweg-Selbstverpflichtung eben geht.

Wohlstands-Müll: Plastikabfall an einem Strand auf Bali
REUTERS
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Und was bringt das alles?

Ob das Pfandsystem für Kaffeebecher die Umwelt wirklich entlastet, hängt vor allem davon ab, wie oft die Mehrwegbecher tatsächlich gebraucht werden - und wie viele Einwegbecher sie damit ersetzen. Experten streiten seit Jahren über die Ökobilanz der Mehrwegbecher: Ihre Herstellung ist vergleichsweise aufwendig, und bei ihrer Reinigung in Spülmaschinen wird Strom verbraucht.

Diese versteckten Belastungen überwiegen möglicherweise den Nutzen, der durch die Vermeidung der Einwegbecher entsteht. So argumentieren zumindest einige Studien zu dem Thema. Auch die Freiburger Albert-Ludwigs-Universität vergleicht die Öko-Bilanz des Mehrwegbechers "Freiburg Cup" mit der Öko-Bilanz einer Papiertasse.

Andererseits ist es auch ein großer Unterschied, ob ein Mehrwegbecher bis zu 400mal daheim per Hand gespült wird oder nach 50 Spülgängen in einer Industriespülmaschine doch in einem städtischen Abfalleimer landet. Je häufiger ein Becher wiederverwendet wird, desto größer ist der Entlastungseffekt für die Umwelt. Zudem leistet das Mehrwegsystem einen sichtbaren Beitrag zur Verkleinerung der Müllberge. Städte und Abfallwirtschaftsbetriebe hoffen auf einen Langzeiteffekt: Wer schon beim Coffee to go auf Abfallvermeidung setzt, wird sich auch grundsätzlich anders mit dem Thema auseinandersetzen als ein "Wegwerfer".

Die EU-Kommission prüft unterdessen ein Verbot von Einweggeschirr sowie eine Plastiksteuer: Europaweit fallen nach Angaben der EU-Kommission jährlich rund 26 Millionen Tonne Plastikmüll an. 70 Prozent davon landen auf Müllkippen, in Verbrennungsanlagen oder in der Umwelt.

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