10.07.2018 
Insider berichten von möglicher Mega-Fusion

Franzosen strecken Fühler nach Hapag-Lloyd aus - Aktie springt

Hapag-Lloyd-Frachter im Hamburger Hafen
REUTERS
Hapag-Lloyd-Frachter im Hamburger Hafen

Die französische Container-Reederei CMA CGM hat Finanzkreisen zufolge ihre Fühler nach dem Hamburger Konkurrenten Hapag-Lloyd ausgestreckt. Die Nummer drei der Branche habe in den vergangenen Monaten das Gespräch über einen Zusammenschluss mit Hapag-Lloyd gesucht, sagten drei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Es sei um einen Deal auf Basis eines Aktientauschs gegangen.

Die Großaktionäre Kühne, Hamburg und CSAV hätten den Vorstoß aber zurückgewiesen. Auch der Staatsfonds QIA aus Katar, der 14,5 Prozent an der fünftgrößten Container-Reederei der Welt hält, befürworte einen Zusammenschluss nicht. Der Kurs profitierte zwischenzeitlich von den Spekulationen: Hapag-Lloyd-Papiere schnellten auf bis zu 35 Euro hoch, lagen zuletzt mit 32,54 Euro aber immer noch dreieinhalb Prozent im Plus.

"Es gibt die Befürchtung, dass Hapag-Lloyd letztendlich nur noch ein Anhängsel von CMA CGM wäre. Hamburg will sicherstellen, dass die Zentrale in Hamburg und Hapag ein deutsches Unternehmen bleibt", sagte einer der Insider. "Die Großaktionäre vertreten die Auffassung, dass für sie bei einem Zusammenschluss nichts herausspringen würde", sagte ein zweiter Insider.

Ein Hapag-Sprecher wies die Aussagen der Insider über einen möglichen Aktiendeal zurück. "Diese Marktgerüchte sind substanzlos", sagte er. Ein CMA-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab. Von der Hamburger Finanzbehörde und CSAV war keine Stellungnahme zu erhalten. CSAV besitzt nach Angaben auf der Internetseite von Hapag-Lloyd 25,8 Prozent an der Reederei, der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne 25 Prozent und Hamburg über die HGV 13,9 Prozent.

Krise treibt Reeder in Fusionen und Allianzen

Die Schifffahrt steckt seit Jahren in der Krise, weil Überkapazitäten die Frachtpreise drücken. Mit einer Welle von Fusionen und Allianzen versucht die Branche gegenzusteuern. Hapag übernahm im vergangenen Jahr den arabischen Konkurrenten UASC, davor hatten sich die Hamburger bereits das Containergeschäft der chilenischen Reederei CSAV einverleibt. Doch die Lage bleibt schwierig: Ende Juni zollte der Konzern den gestiegenen Kosten für Treibstoff und Charterraten Tribut und dampfte seine Gewinnziele ein. Finanzkreisen zufolge kämpft Hapag auch mit Problemen bei der Integration von UASC. Nach der Gewinnwarnung ist Hapag an der Börse noch rund 5,5 Milliarden Euro wert.

Auch CMA CGM hat durch Zukäufe versucht, ihre Marktposition zu verbessern und Kosten zu drücken. 2016 übernahm der Konzern die Reederei APL aus Singapur. Die französische Reederei, die sich im Besitz der Saade-Familie befindet, erzielte 2017 einen Gewinn von 701 Millionen Dollar nach einem Verlust von 452 Millionen Dollar im Vorjahr. CMA-Gründer Jacques Saade starb vergangenen Monat. Sein Sohn Rudolphe führt das Unternehmen seit vergangenem Jahr.

Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen hatte im Mai gesagt, er erwarte nach den Zusammenschlüssen der vergangenen Jahre in der Schifffahrtsbranche 2018 keine größeren Übernahmen mehr. Hapag-Lloyd selbst würde sich Gelegenheiten für Zukäufe immer ansehen. "Aber wir sind da nicht sehr aktiv unterwegs."

luk, reuters

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