25.04.2018 
Wenn der Paketbote nicht mehr klingelt

Amazon und das Rätsel um verloren gegangene Päckchen

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Bei Unsal Aci herrscht wieder einmal Hochbetrieb. In der Ecke des kleinen Schuhmacherladens im Hamburger Stadtteil Eppendorf stapeln sich die Pakete bis zur Tür. Gerade kommt ein Kunde herein, um eine Retoure abzugeben. Das Paket, von Aci routiniert eingescannt, landet auf einem weiteren Stapel hinter der Theke.

"Vor einer Weile war es noch voller hier", grinst Aci, der sich mit seinen Diensten für den Paktdienstleister Hermes ein kleines Zubrot verdient. "Aber jetzt haben in der Gegend wieder eine ganze Reihe weiterer Paketshops aufgemacht. Das nimmt etwas den Druck raus."

Druck ist ordentlich im Kessel. Alleine im den ersten drei Monaten des Jahres ließen sich die Bundesbürger Ware im Wert von mehr als 14,6 Milliarden Euro an die Haustüren oder in die Büros liefern, ein Plus von 10,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

"Dauer-Weihnachten" an der Paketfront

Mittlerweile sei fast schon wieder das Level des Weihnachtsgeschäftes erreicht, heißt es in der Branche. Die traditionell umsatzstärkste Phase im Jahr, in der die Logistikkonzerne nicht selten Extraschichten fahren und zusätzliches Personal engagieren, scheint zum Dauerzustand zu werden.

Ein Abflauen der Paketflut ist nicht in Sicht. Schon jetzt übersteigt das Wachstum immer wieder die Erwartungen der Logistiker. Waren es lange vor allem Elektroartikel, Bücher und Klamotten, die sich die Leute vor die Wohnungstür haben liefern lassen, findet sich mittlerweile alles in den Paketen: Von Cremes, Putzmittel und Tierfutter bis hin zu Medikamenten, von Schmuck bis hin zu Möbeln - fast jede Produktsorte mit zweistelligen Wachstumsraten.

Doch die schöne, neue Onlineshoppingwelt stellt immer mehr Versender vor massive Probleme. Nicht nur, dass sich die Facebookseiten der Unternehmen immer mehr zu digitalen Prangern entwickeln, auf denen Kunden ihrem Ärger über verschwundene Päckchen oder unfähige Paketboten Luft machen.

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