16.03.2018  "Antoine de Saint Exupéry" in Hamburg

Der Megafrachter im Video

"Es ist für uns mehr oder weniger Routine gewesen - im positiven Sinne." Andreas Brummermann, stellvertretender Hafenkapitän in Hamburg, übt sich in hanseatischer Zurückhaltung: Schon häufig hätten Schiffe ähnlicher Größe wie die "CMA CGM Antoine de Saint Exupéry" in der Hansestadt Station gemacht, sagt er im Video der Hamburg Port Authority. Ein neuer Rekord sei aber trotzdem immer aufregend.

Wie Zwerge wirken die Schlepper neben Hamburgs neuem Rekordhalter: 400 Meter lang und 59 Meter breit ist die "Antoine de Saint Exupéry", der größte Frachter, der jemals die Hansestadt angelaufen hat. Übermannshohe Container wirken auf dem Giganten wie Legosteine. Am frühen Donnerstagmorgen hat er sich die Elbe hochgeschoben, nun wird er am Burchardkai be- und entladen.

Nach Angaben des Hafens schlägt die 400 Meter lange und 59 Meter breite "CMA CGM Antoine de Saint Exupéry" mit einer maximalen Ladekapazität von 20 600 Standardcontainern (TEU) den bisherigen Rekordhalter "Munich Maersk" der dänischen Maersk-Line mit 20 568 TEU, die im August vergangenen Jahres erstmals nach Hamburg kam.

Am Burchardkai sollten jetzt 7000 Container, die beispielsweise mit Elektronik und Textilien gefüllt sind, gelöscht und 4500 Container geladen werden, teilte ein Hafensprecher mit. Aus Hamburg sollen dann etwa Chemikalien und Maschinenteile mitgenommen werden.

Rekord fällt regelmäßig

Mit der Liste der größten Containerschiffe der Welt ist es so eine Sache: Kaum hat einer der Riesenfrachter den Titel erobert, wird er auch schon wieder entthront. Die Werften überbieten sich mit Rekorden bei der maximalen Ladekapazität.

Die Schiffe werden immer größer - und die Zahl der Standardcontainer, die sie maximal transportieren können, übersteigt seit einiger Zeit die Marke von 20.000. Wann immer einer dieser Riesen des Welthandels zum ersten Mal im Hamburger Hafen anlegt, ist das in der Hansestadt ein besonderes Ereignis. So war es etwa im Mai 2017, als die "MOL Triumph" am Burchardkai festmachte, mit einem Fassungsvermögen von maximal 20.170 Standardcontainern (TEU). Das war damals mehr, als jedes andere Schiff transportieren kann, das jemals Hamburg angelaufen hatte.

Vor 50 Jahren begann die Container-Revolution

Was die maximale Container-Zahl an Bord, angeht ist eine andere Baureihe allerdings leistungsfähiger: die "OOCL Hong Kong" oder die "OOCL Germany" fassen bis zu 21.400 Container. Insgesamt betreibt der Hong Konger Reederei OOCL sechs solcher baugleichen Schwesterschiffe. Sie führen die Liste der größten Containerschiffe an, die "Saint Exupéry" folgt in dieser Rangliste erst auf Platz 7, auch wenn sie 10 Zentimeter länger ist.

Die Ankunft fällt in ein historisches Jahr. Vor fast genau 50 Jahren, am 31. Mai 1968, legte das erste Containerschiff im Hamburger Hafen an. Damals noch mit einer Ladekapazität, die heute fast putzig anmutet: 1200 Container. Damit begann die Container-Revolution im Transportwesen. Während eine 18-köpfige Crew damals in einer Acht-Stunden-Schicht 80 Tonnen herkömmliches Stückgut bewegen konnte, schaffte eine neunköpfige Brückenmannschaft mit dem Verladen der Container in der gleichen Zeit bis zu 2000 Tonnen.

Der Containerumschlag bescherte den Häfen einen jahrzehntelangen Aufschwung mit stetig steigenden Umschlagzahlen, der jedoch ins Stocken geraten ist. "Wir sind noch nicht wieder auf dem Level, dass wir vor der Finanzkrise hatten", sagte ein Hafensprecher am Mittwoch. In den Jahren 2007 und 2008 seien knapp 10 Millionen TEU pro Jahr im Hafen umgeschlagen worden, rund eine Million mehr als 2017.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hatten wir geschrieben, die "CMA CGM Antoine de Saint Exupéry" passiere den Anleger Teufelsbrück am morgigen Donnerstag gegen 15.30 Uhr. Tatsächlich soll dies schon um 3.30 Uhr passieren. Die Reederei hat Angaben der Nachrichtenagentur dpa-afx korrigiert.

luk, beb/dpa, dpa-afx

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