09.10.2018 
Aktie stürzt auf Rekordtief

Dritte Gewinnwarnung - Ceconomy-Chef noch zu halten?

Pieter Haas
imago/Sepp Spiegl
Pieter Haas

Desaster beim Elektronikhändler Ceconomy: Der Konzern verbuchte nach ersten Berechnungen einen deutlichen Gewinnrückgang statt der ursprünglich erwarteten Zuwächse. Nach ersten Berechnungen sank das Ebitda im abgelaufenen Geschäftsjahr um 13 Prozent auf 630 Millionen Euro. Der operative Gewinn ging um 19 Prozent auf 400 Millionen Euro zurück. Das ist bereits die dritte Gewinnwarnung für das abgelaufene Geschäftsjahr. Kein Wunder also, dass die Aktie nach der Mitteilung um rund 22 Prozent auf ein Rekordtief von 4,48 Euro einbrach.

Desaster beim Elektronikhändler Ceconomy: Der Konzern verbuchte nach ersten Berechnungen einen deutlichen Gewinnrückgang statt der ursprünglich erwarteten Zuwächse.

Nach ersten Berechnungen sank das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im Geschäftsjahr 2017/2018 (Ende September) um 13 Prozent auf 630 Millionen Euro, wie das aus der Aufspaltung der früheren Metro Group hervorgegangene Unternehmen mitteilte. Der operative Gewinn (Ebit) sank um 19 Prozent auf 400 Millionen Euro.

An der Börse sprach man angesichts der Zahlen von einem "Desaster". Die Aktie brach um rund 22 Prozent auf ein Rekordtief von 4,48 Euro ein. Seit Monaten eilt der Kurs des inzwischen aus dem MDax in den Kleinwerte-Index SDax abgestiegenen Papiers von einem Tief zum nächsten. Im bisherigen Jahresverlauf haben die Papiere schon über die Hälfte an Wert verloren. Nur Tele Columbus und Steinhoff liefen im SDax noch schlechter.

Die dritte Gewinnwarnung in diesem Geschäftsjahr werfe nun Fragen auf in Bezug auf das Management und die Informationspolitik des Unternehmens, schrieb Analystin Georgina Johanan von JPMorgan. Ihrer Einschätzung nach ist der Gewinneinbruch vor allem margengetrieben. Auch die Aktien von Freenet gerieten am Dienstag unter Druck und verloren mehr als 3 Prozent. Der Mobilfunkanbieter war im Juli bei Ceconomy eingestiegen.

Heißer Sommer sorgte für Umsatzeinbrüche

Für Verunsicherung sorgte vor allem die Tatsache, dass Ceconomy-Chef Pieter Haas erst vor drei Wochen die Jahresprognosen für das Unternehmen gesenkt hatte - zum zweiten Mal in diesem Jahr. Damals war der Konzern noch davon ausgegangen, ein Ebitda zwischen 680 und 710 Millionen Euro sowie ein Ebit zwischen 460 und 490 Millionen Euro erreichen zu können. Allerdings seien nun die operativen Ergebnisbeiträge der Elektronikketten Media Markt und Saturn deutlich unter den Erwartungen geblieben, teilte Ceconomy mit. Zum Ende des Geschäftsjahres hätten noch weitere Posten wie zum Beispiel Rückvergütungen verbucht werden müssen, erklärte eine Sprecherin.

Das abgelaufene Geschäftsjahr stand für Ceconomy unter keinem guten Stern. Bereits zum Auftakt hakte es, als heftige Rabatte im wichtigen Weihnachtsgeschäft am Gewinn zehrten. Zu einem Mühlstein entwickelte sich später die Beteiligung am Handelskonzern Metro. Durch die schwache Kursentwicklung der Metro-Aktie musste Ceconomy viele Millionen abschreiben. Inzwischen hat der Konzern mit dem tschechischen Unternehmer Daniel Kretinsky einen Abnehmer für zumindest 9 Prozent seines Metro-Pakets gefunden und würde dann nur noch ein Prozent der Anteile halten.

Probleme bereiteten auch die defizitären Märkte in Russland und Schweden. Die russischen Märkte wurden inzwischen an die Safmar-Gruppe und deren Ableger M.video abgeben. Eine Lösung für Schweden steht noch aus.

Zuletzt wurde der ungewöhnlich lange und heiße Sommer zum Problem. Statt bei Media Markt oder Saturn zu shoppen, tummelten sich die Verbraucher lieber im Freibad. Vor allem in Deutschland, dem wichtigsten Markt für Ceconomy, lief es schleppend. Hier kamen auch die vom Unternehmen eingeleiteten strategischen Initiativen langsamer voran als geplant.

Ceconomy steckt im Wandel zum Multichannel-Anbieter und verknüpft so das stationäre Geschäft mit dem Onlinehandel. Auch mit Dienstleistungen wie Technikberatung und Reparaturen will der Konzern punkten.


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Seine Bilanz will Ceconomy am 19. Dezember vorlegen. Bereits am 25. Oktober werden die Umsatzzahlen veröffentlicht. Ceconomy erwartet auf gleicher Fläche und ohne den Einfluss von Währungen ein leichtes Umsatzplus von 0,2 Prozent.

Europas größter Elektronikhändler Media-Saturn ist Teil von Ceconomy. Die Holding war aus der Aufspaltung des Handelskonzerns Metro hervorgegangen. Größter Anteilseigner ist Haniel, der sich nach dem Verkauf seiner Metro-Anteile auch von Ceconomy trennen könnte. Ceconomy sei für Haniel eine reine Finanzbeteiligung, hatte der Haniel-Chef Stephan Gemkow erklärt. "Wenn es einen Interessenten geben sollte, der einen Preis bietet, dem man nicht widerstehen kann, würde ich bei jeder unserer Beteiligungen aktiv werden."

mg/dpa-afx,rtr

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