16.01.2018 
C&A-Verkauf nach China im Gespräch

Deutschlands zweitreichste Sippe steht vor ihrem größten Umbruch

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Clemens (li.) und August Benninkmeijer gründeten C&A: Mit einem Verkauf des Warenhauses würde der zweitreichste Clan im Land seine Wurzeln aufgeben
Pinterst / C&A
Clemens (li.) und August Benninkmeijer gründeten C&A: Mit einem Verkauf des Warenhauses würde der zweitreichste Clan im Land seine Wurzeln aufgeben

Es wäre ein gewaltiger Traditionsbruch. Die C&A-Holding Cofra prüft laut SPIEGEL einen Verkauf der jahrzehntelang dominierenden Textilkaufhauskette; Interessenten kämen aus China. Einschneidend wäre solch ein Schritt nicht nur für den deutschen und europäischen Einzelhandel, wo tausende Filialen das Logo von C&A tragen.

Damit würde auch der (inzwischen nur noch) zweitreichste Clan im Land mit der Tradition brechen - ausgerechnet die außergewöhnlich traditionsverliebte Brenninkmeijer-Sippe.

Zum auf 20 Milliarden Euro geschätzten Vermögen der Familie Brenninkmeijer dürfte C&A zwar nicht mehr allzu viel beitragen. Ihre beiden übrigen Standbeine, die Immobilienfirma Redevco und die Private-Equity-Firma Bregal, beziffert die Cofra-Holding auf 7,5 Milliarden beziehungsweise 11 Milliarden Euro Wert. Der Niedergang der Kaufhauskette zeichnet sich seit langem ab. Vor zehn Jahren wurde ihr noch ein Börsenerlös von "mindestens zehn Milliarden Euro" zugetraut. "Doch die Familie will nicht verkaufen", hieß es damals.

C&A ist der Anker der Familienidentität. Als Gründungsjahr wird 1841 genannt, als die Brüder Clemens und August Brenninkmeyer aus dem westfälischen Dorf Mettingen als sogenannte Tödden, also mit Tuch handelnde Hausierer, in die niederländische Kleinstadt Sneek zogen. Das Geschäft hält sich inzwischen in sechster Generation in Familienbesitz - bei zwölf Stämmen mit rund 1800 Angehörigen ein kompliziertes Unterfangen, was die Brenninkmeijers als kostbare Leistung betrachten.

Die Sippe folgt dem Motto "Eintracht macht stark", was sie mit ihrem Regelwerk namens Unitas umzusetzen sucht.

Dazu gehört beispielsweise, dass alle Entscheider im heute 68-köpfigen Gesellschafterausschuss "Sneeker Kring" katholisch sein müssen, niederländische Staatsbürger und ihren Nachnamen mit ij schreiben - auch wenn das westfälische, bodenständige Erbe mit regelmäßigen Treffen auf den Familienhöfen in Mettingen ebenso hochgehalten wird. Frauen sind erst seit den 90er Jahren in dem exklusiven Kreis zugelassen - theoretisch. Praktisch schaffte es vor zwei Jahren mit Johanna Brenninkmeijer die erste in den Kring.

"Jeder Brenninkmeijer ist ein Zahnrad"

Traditionell müssen sich die Unternehmer in familieneigenen Betrieben hocharbeiten, wobei auf jeder Ebene die Leistung kontrolliert wird. Wer es nicht nach oben schafft oder aus anderen Gründen aus dem Brenninkmeijer-Imperium aussteigt, darf auch keine Anteile vererben.

"Jeder Brenninkmeijer ist ein Zahnrad und wenn ein kleines Rädchen defekt ist oder fehlt, läuft die Uhr nicht", beschrieb ein Familienmitglied das Verhältnis gegenüber dem manager magazin. "Deswegen müssen alle nach den gleichen Regeln funktionieren." Scheidungen beispielsweise führten schon zur Ächtung.

Ein Verkauf der Anteile ist den Partnern verboten - bis sie die Altersgrenze von 63 Jahren erreichen und dann verkaufen müssen. Auch der weitere Familienkreis darf über sein Vermögen nicht frei verfügen. Alle Gelddinge und auch Alltagsfragen wie Umzüge erledigt das Familiy Office Anthos, das sogar über eine Vollbanklizenz verfügt. "Im Prinzip sind wir alle entmündigt", sagte ein Brenninkmeijer zu manager magazin.

Nicht nur deshalb kam es in den vergangenen Jahren zu ersten Brüchen im Brenninkmeijer-Reich. Manche Verwandte begehrten wie Alexander Brenninkmeijer auf, der sich sein eigenes Modelabel im Markenstreit mit Cofra sicherte und auch eine Schiedsstelle für solche Streits durchsetzte.

Andere wie Philippe Brenninkmeijer scheiterten an der Aufgabe, das Kerngeschäft im Konsens mit all den Verwandten zu sanieren. Schon einmal, in den 90er Jahren, musste die Familie ihre Firmenstruktur deshalb überholen. "Damals hätten wir beinahe nicht überlebt", sagte Familienoberhaupt Maurice Brenninkmeijer 2016 der "Zeit". Die Cofra wurde gebildet, um die bis dahin voneinander unabhängigen Einzelfirmen zu bündeln und professionell zu managen.

Jetzt muss mit Ex-Rewe-Chef Alain Caparros ein familienfremder Manager ran, der eigentlich andere Pläne hatte, als noch einmal einen Handelskoloss zu sanieren. Wenn das Ergebnis tatsächlich wäre, Kapital und Kontrolle von C&A aufzugeben, hätte sich für die Brenninkmeijers der Sinn ihres komplexen Regelwerks zu einem Gutteil überholt.

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