14.03.2018  Edeka-Tochter patzt im Kampf gegen Amazon Fresh

Bringmeister bringt's nicht

Von Nils-Viktor Sorge
Lieferwagen von Bringmeister
Edeka
Lieferwagen von Bringmeister

Es ist die schönste Ausrede für Unternehmen, die ein gewünschtes Produkt oder eine Leistung nicht zu liefern vermögen: Zu groß sei die Nachfrage, sorry - Sie müssen sich gedulden. Verkehrsunternehmen reden sich so überfüllte Busse und Bahnen schön, auch Elektroautobauer Tesla verweist angesichts von Lieferengpässen beim Model 3 mitunter auf die lange Warteliste.

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Uneingeschränkt ärgerlich ist aber jedenfalls das, was offenbar gerade dem Lebensmittel-Lieferdienst Bringmeister in Berlin geschieht. Probleme in Logistik und IT verhindern einem Bericht der "Lebensmittelzeitung" zufolge, dass Kunden rasch ihre bei der Edeka-Tochter Einkäufe in Empfang nehmen können.

Verspätete Sendungen sowie kurzfristig nicht verfügbare Ausliefertermine haben demnach zuletzt einen kleinen Shitstorm in den sozialen Medien entfacht. Twitter-User beschweren sich über Verspätungen, Wartezeiten von vier Tagen sowie darüber, dass Fahrer kein Leergut mitnehmen wollen.

"Bringmeister was ist los?", fragt beispielsweise User Caspar von Wrede. "Die letzten 4 Mal war die Lieferung verspätet. Heute um 45min. Früher gab's da noch ein Gutschein, neuerdings gar nichts mehr. Inakzeptabel. Stellungnahme bitte." Diese folgte prompt, in Form einer Entschuldigung und dem Versprechen, die Lieferkosten würden erstattet.

Die Probleme der Edeka-Tochter werfen ein Schlaglicht auf ein Problem, das im Einzelhandel grassiert: Kunden nehmen verstärkt den Lieferservice in Anspruch. Doch das Geschäft ist in der Branche erst im Aufbau, so dass es häufig noch knirscht.

Gewinne machen die Konzerne mit dem Angebot ohnehin in der Regel noch nicht. Sie wollen aber unbedingt früh dabei sein und sich wichtige Marktanteile sichern. Hintergrund ist auch Amazons aggressiver Einstieg in das Segment mit dem Service Fresh.

Edeka versucht gar nicht erst, die Schwierigkeiten schönzureden und begründet sie gegenüber der "Lebensmittelzeitung" damit, dass in Berlin "in den vergangenen Wochen sprunghaft zugenommen" habe. Dies wirke sich vor allem in einer eingeschränkten Auswahl von Lieferterminen aus. Das Unternehmen wolle aber auf jeden Fall an dem Service festhalten.

Zuletzt gab es für Bringmeister auch an anderer Stelle Ärger. Das Kammergericht Berlin rügte das Unternehmen für mangelnde Transparenz.

Das Gericht mahnte an, Lebensmittel-Lieferdienste müssten Kunden vor der Bestellung im Internet über Zutaten und Allergene der angebotenen Produkte, über den Verzehrzeitraum und die Aufbewahrungsbedingungen informieren. Im Internetshop von Bringmeister fehlten laut dem Verbraucherzentrale Bundesverband Pflichtangaben beispielsweise bei Kartoffelchips, Tiefkühl-Pizzen und Schokoriegeln.

Trotz der gravierenden Probleme zu Lande will Bringmeister künftig auch Bestellungen aus der Luft annehmen. Dass soll eine Kooperation mit der Lufthansa ermöglichen. Hilfreich für das Konzept wäre allerdings, dass sowohl der Flieger als auch der Lieferdienst pünktlich sind.

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