11.09.2018 
So tickt Jack Mas Nachfolger Daniel Zhang

"Sonst killen uns die Rivalen" - Was Alibaba-Genie Zhang vorhat

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Alibaba-CEO Daniel Zhang (46) wird bald noch wichtiger
REUTERS
Alibaba-CEO Daniel Zhang (46) wird bald noch wichtiger

Jack Ma liebt Tai-Chi. Seine Posen zeigt der Multimilliardär gern in der Öffentlichkeit, er trat sogar in einem Kurzfilm mit Kampfsport-Ikone Jet Li auf. Ein Publicity-Coup, der Mas Unternehmen Alibaba durchaus zu Gute kam: Der Film erschien am sogenannten "Singles Day" vergangenes Jahr, dem chinesischen Pendant zum Rabattschlachttag Black Friday. Der Onlinehändler setzte eine Rekordsummevon 21,8 Milliarden Euro um.

Solche Szenen sind von Daniel Zhang nicht zu erwarten. Der 46-jährige Buchhalter ist seit 2015 CEO von Alibaba, bald wird er Jack Ma als Executive Chairman ablösen und so noch mehr Macht erhalten. Ma plant, sich in einem Jahr ganz auf seine wohltätigen Projekte zu konzentrieren. Der zurückhaltende Manager Zhang wird dann das neue Aushängeschild des Onlinegiganten werden.

Die Anleger reagierten auf die Nachricht verhalten, der Kurs des Amazon-Konkurrenten sank am Montag um 4 Prozent. Dabei fährt Daniel Zhang einen erfolgreichen Kurs. Seitdem er CEO sei, verzeichne Alibaba das 13. Quartal mit Wachstum in Folge, schrieb Ma in einem Brief an seine Mitarbeiter. Die zum Konzern gehörende "South China Morning Post" zitierte daraus. Als Zhang den CEO-Posten vor etwa drei Jahren übernommen hatte, war der Nettogewinn von Alibaba gerade um 49 Prozent eingebrochen. Sein Vorgänger Jonathan Lu hielt sich nur knapp zwei Jahre im Amt.

Lieber kaufen als investieren

Mit dem Finanzgenie Zhang an der Spitze ist der Wert Alibabas an der Börse um mehr als 80 Prozent gestiegen, der Umsatz hat sich mehr als verdoppelt. Man dürfe sich aber nicht in dem Glauben verlieren, der "Top Dog" zu sein, schrieb Zhang vor wenigen Tagen bei "CNBC" über seine Managementstrategie. Er gibt sich progressiv: "Wenn wir unser altes Ich nicht killen, dann werden wir von unseren Rivalen gekillt." Man müsse den Mut haben, sich selbst neu zu erfinden.

Dafür setzt Zhang auch auf Zukäufe, die er Beteiligungen eindeutig vorzieht: Gerade bei wichtigen strategischen Projekten, die integriert werden müssten und Synergien versprechen würden, erklärt er bei "CNBC". Um zum Beispiel in Südostasien schneller zu wachsen, kaufte der Konzern 2016 für eine Milliarde US-Dollar die Mehrheit an dem Onlinehändler Lazada, der von dem Berliner Unternehmen Rocket Internet gegründet worden war.

Die Expansion ist nur einer von drei Punkten, mit denen der Manager Alibabas Erfolg sichern will, so Zhang vergangenes Jahr zur "Financial Times". Demnach will der CEO internationale Produkte nach China und chinesische Waren in den Rest der Welt bringen. In Deutschland soll Alibaba derzeit über den Dienstleister 4px seine Logistikkapazitäten verdreifachen wollen, berichtet die Lebensmittelzeitung. Dafür sei geplant, neben dem Logistikzentrum nahe des Frankfurter Flughafens ein zweites in Grolsheim zu eröffnen. Kunden sollen durch ein gutes Netz schnell ihre Lieferungen bekommen. Alibaba versende bereits täglich mehr als 50.000 Pakete nach Deutschland.

Im Gegensatz zum wichtigen chinesischen Konkurrenten JD.com hält sich Alibaba allerdings bei den konkreten Plänen für Deutschland bedeckt. JD.com kündigte kürzlich seine Expansion in Europa an und plant, 2018 ein deutsches Büro zu eröffnen. Allerdings könnte ein Skandal um JD.com-Chef Richard Liu das Vorhaben zurückwerfen: Gegen den Milliardär wird wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung in den USA ermittelt.

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