12.02.2018 
Tesco plant Billigsupermärkte

Briten wollen Aldi und Lidl mit eigenen Waffen schlagen

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Aldi und Lidl gelingt es, in Großbritannien ihren Marktanteil auszubauen
REUTERS
Aldi und Lidl gelingt es, in Großbritannien ihren Marktanteil auszubauen

Aldi und Lidl setzen britischen Supermarktketten wie Tesco oder Sainsbury's auf deren Heimatmarkt schon länger zu. Über die Strategie einer stark reduzierten Auswahl, die mit geringeren Lager-, Transport- und Personalkosten einhergeht, liefern die deutschen Discounter den britischen Platzhirschen einen gnadenlosen Preiskampf und luchsen ihnen somit Jahr für Jahr Marktanteile ab.

Anfang 2015 brachte es Aldi auf 4,8 Prozent und Lidl auf 3,5 Prozent Marktatanteil im britischen Lebensmittelhandel. Nach jüngsten Daten der Forschungsgruppe Kantar Worldpanel konnten die beiden Discounter in den zurückliegenden 12 Wochen bei Umsatzzuwächsen von jeweils rund 16 Prozent ihren Marktanteil zuletzt auf 6,9 Prozent (Aldi) und 5 Prozent (Lidl) ausbauen, berichten die "Sunday Times" und "Sun" "Sun" diesen Sonntag in ihrer Online-Ausgabe.

Tesco ist mit einem Marktanteil von 28 Prozent immer noch unangefochtene Nummer 1 auf der Insel, konnte seine Umsätze im gleichen Zeitraum aber gerade mal um 2,6 Prozent steigern. Der Handelsriese will den Berichten zufolge jetzt die deutschen Konkurrenten mit einer eigenen Billigmarkt-Kette stoppen.

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Das Angebot in den neuen Discountläden soll deutlich kleiner als in den übrigen Tesco-Filialen sein und die Preise sich an Aldi und Lidl orientieren. Mit anderen Worten: Tesco versucht offenbar, die deutschen Wettbewerber mit ihren eigenen Waffen zurückzudrängen.

Unklar ist, wieviel dieser günstigen Filialen Tesco eröffnen will und ob sich die wachsenden Marktanteile der deutschen Discounter damit eindämmen lassen. Aldi jedenfalls setzt in UK weiter voll auf Wachstum, will in den nächsten drei Jahren umgerechnet 2,3 Milliarden Euro für bis zu 1000 neue Filialen investieren.

In Deutschland, dem weltweit vermutlich am härtesteten umkämpften Markt im Lebensmittelhandel, wollen Aldi Nord und Süd in den nächsten Jahren insgesamt sogar 8,5 Milliarden Euro in ihr Filialnetz und den Ausbau des Sortiments investieren. Hier zeigt die Strategie teils aber in die entgegengesetzte Richtung:

Über schickere Läden und mehr Markenartikel will sich Aldi eine neue, zahlungskräftigere Käuferschicht erschließen, die bislang vielleicht eher bei Rewe oder Edeka einkauft. Zugleich dringt Aldi verstärkt in die Domäne der Drogeriemarktketten vor, in dem der Discounter immer wieder namhafte Pflege- und Reinigungsprodukte zu günstigen Preisen in die Regale stellt. Auch den Angriff auf Parfümeriehändler scheut Aldi dabei nicht.

Sowohl in Großbritannien als auch in Deutschland nimmt der Discounter dafür nach eigenen Angaben vorübergehend geringere Gewinne in Kauf.

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