19.09.2017  Amazons nächstes Opfer

Toys 'R' Us bricht unter Schuldenlast zusammen

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Toys R Us am Times Square in New York
DPA
Toys R Us am Times Square in New York

Eine enorme Schuldenlast nach der Übernahme von Finanzinvestoren und der harte Wettbewerb durch Online-Anbieter wie Amazon haben Toys 'R' Us in die Knie gezwungen. Der US-Spielzeughändler hat Insolvenzantrag gestellt. Der Fall reiht sich ein in eine Serie von Pleiten namhafter Einzelhändler in den USA.

Die Probleme bei Toys 'R' Us hatten sich abgezeichnet. Bereits vor zwei Wochen machten Schlagzeilen die Runde, der finanziell klamme US-Spielzeughändler müsse mindestens 400 Millionen Dollar seiner Verpflichtungen schnell umschulden. Nun hat das angeschlagene Unternehmen nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragt.

Der Insolvenzantrag ist der jüngste in einer Reihe von Pleiten im US-Einzelhandel, wo Amazon und andere Onlinehändler zu erheblichen Verwerfungen geführt haben. Seit Jahresbeginn haben mehr als ein Dutzend amerikanische Ketten wie Payless, Gymboree oder Perfumania aufgegeben.

Allerdings ächzt Toys 'R' Us bereits seit 2005 unter einer enormen Schuldenlast, die Finanzinvestoren wie Bain Capital und KKR im Zuge einer 7,5 Milliarden Dollar schweren, mit Krediten finanzierten Übernahme auf dem Unternehmen abgeladen hatten. Seitdem hatte die Handelskette vergeblich versucht, dem tiefen Schuldenloch zu entrinnen.

Seit 2013 kein Gewinn mehr, dafür aber hohe Schulden

Toys 'R' Us hat seit 2013 keinen Jahresgewinn mehr melden können. Auch für das jüngste Geschäftsquartal musste die Handelskette einen Nettoverlust von 164 Millionen Dollar ausweisen.

An der Börse sorgte Toys 'R' Us schon länger für Unruhe. Zwar ist die Kette selbst nicht an der Börse gelistet, doch die Aktien der größten US-Spielzeughersteller Hasbro und Mattel gerieten unter Druck. Die Konzerne sollen wegen Befürchtungen, der Geschäftspartner könne Rechnungen nicht begleichen, bereits Lieferungen eingeschränkt haben.

Toys 'R' Us zählt weltweit mehr als 1600 Filialen, 875 davon allein in den USA. Das Unternehmen geht zurück auf Charles Lazarus, der im Jahr 1948 in Washington zunächst einen Baby-Möbel-Laden eröffnete. Zwei Jahre später erweiterte er das Sortiment mit Kinderspielzeug und eröffnete dann im Jahr 1957 die ersten großen Toys-'R'-Us-Märkte nach dem Vorbild von SB-Supermärkten in den USA. Lazarus legte den Vorstandsvorsitz im Jahr 1994 nieder.

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