05.07.2017  Wie Adidas China zur Fußball-Macht verhelfen will

Adidas-Chef Kasper Rorsted kumpelt mit Chinas Präsident Xi Jinping

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Fußball verbindet: Chinas Staatspräsident Xi Jinping, Bundeskanzlerin Angela Merkel und der deutsch-chinesische Fußball-Nachwuchs - in Adidas-Trikots. Adidas-Chef Kasper Rorsted (genau hinter Merkel) dürfte das Bild wohl jetzt über seinem Schreibtisch aufhängen
Bongarts/Getty Images
Fußball verbindet: Chinas Staatspräsident Xi Jinping, Bundeskanzlerin Angela Merkel und der deutsch-chinesische Fußball-Nachwuchs - in Adidas-Trikots. Adidas-Chef Kasper Rorsted (genau hinter Merkel) dürfte das Bild wohl jetzt über seinem Schreibtisch aufhängen

Chinas Staatspräsident Xi Jinping ist bekanntlich ein großer Fußballfan. Viel Geld fließt in den Aufbau des eigenen Nachwuchses - bis zu 20.000 Fußballinternate sollen im Reich der Mitte entstehen. Viel Geld fließt auch in den Kauf von Fußballstars aus dem Westen. Das ferne Ziel des obersten Staatsführers: Irgendwann mal eine eigene Fußball-WM ausrichten - und dann möglichst auch gewinnen.

Fußball kann verbinden - politische und wirtschaftliche Interessen. Angela Merkel weiß das. Insofern ist es kein Zufall, dass sich im Vorfeld des G20-Gipfels am Mittwochnachmittag die Bundeskanzlerin mit Xi Jinping zu einem Jugendfußballspiel in Berlin traf. Gut möglich, dass es am Spielfeldrand ganz nebenbei auch um Klimaschutz und Handelsfreiheit ging - zwei Felder, wo Merkel und Xi Jinping vieles eint, wo sie an einem Strang ziehen.

Dass neben Merkel und Jingping auch Adidas-Chef Kasper Rorsted mit von der Partie war, ist ebenfalls kein Zufall. Zum einen unterstützt Adidas schon lange den Deutschen Fußball-Bund (DFB), mit dem der Konzern das Camp für die deutschen und chinesischen Nachwuchskicker organisiert. Zum anderen wird das fußballbegeisterte China für Adidas zu einem der wichtigsten Märkte:

30 Prozent Wachstum bei 35 Prozent Marge im vergangenen Jahr, nirgendwo wächst der Drei-Streifen-Konzern schneller und profitabler als in China, berichtet das "Handelsblatt" (kostenpflichtig).

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Der gewiefte Manager nutzte den prominenten politischen Besuch selbstverständlich nicht nur für öffentlichkeitswirksame Bilder, sondern auch, um die Basis für weitere lukrative Geschäfte in China zu legen.

So ist Adidas dem Bericht zufolge eine enge und exklusive Kooperation mit dem chinesischen Bildungsministerium eingangen. Die Herzogenauracher haben sich demnach verpflichtet, 50.000 chinesische Sportlehrer auszubilden, die dann an den besagten 20.000 Fußballinternaten unterrichten.

20 Millionen Nachwuchsfußballer sollen so an den Sport herangeführt werden. Dass diese irgendwann die Marke Adidas mehrheitlich auf der Brust und an den Füßen tragen, ist zwar nicht garantiert; aber Adidas' große Hoffnung und liegt durchaus im Bereich des Möglichen.

Zwischen 2010 und 2016 konnte Adidas seinen Umsatz in China auf rund drei Milliarden Euro schrauben und damit verdreifachen. Mittlerweile erwirtschaftet der Konzern rund 16 Prozent seiner Erlöse in dem riesigen Land - bei einer operativen Marge eben, die er sonst nirgendwo auf der Welt verdient. Im ersten Quartal dieses Jahres hatte der Drei-Streifen-Konzern mit einem Umsatz von 990 Millionen Euro sogar die Nase vor dem Erzrivalen Nike.

10.000 Geschäfte in 1200 Städten unterhält Adidas bereits im Reich der Mitte. Weitere 2000 Geschäfte an 200 neuen Standorten sollen bis 2020 hinzukommen, heißt es in dem Bericht weiter.

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Doch die chinesische Konkurrenz schläft nicht. Adidas, Nike, Under Armour oder Puma haben es mittlerweile mit vier heimischen Konkurrenten zu tun. Bislang scheint es so, dass die Regierung in Peking die ausländischen Hersteller nicht benachteiligt, Adidas also vergleichsweise frei seinen Geschäften nachgehen kann. Deutsche Autobauer hingegen müssen eine enge Partnerschaft mit einem chinesischen Hersteller vor Ort eingehen.

Sollte es dennoch im Reich der Mitte haken, hatte Adidas-Chef Rorsted am Mittwoch die wohl einmalige Chance, das Problem an erster und fußballbegeisterter Stelle vorzutragen.

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