30.06.2017  Sportartikel-Konzern verkauft nun direkt beim Handelsriesen

Wie Nike Amazon umkurven wollte - und scheiterte

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Schuhverkauf von Nike über Dritthändler bei Amazon - da ist dann nicht mal das berühmte Logo drinnen
Schuhverkauf von Nike über Dritthändler bei Amazon - da ist dann nicht mal das berühmte Logo drinnen

Nike-Schuhe auf Amazon verkaufen? Das war den Managern des US-Sportartikelriesen zu schäbig. Inmitten Tausender Sneaker der Konkurrenz, im Alles-Muss-Raus-Look des Onlinehändlers - dafür war sich Nike lange zu fein.

Doch die Dinge ändern sich, wie das "Wall Street Journal" vor kurzem berichtete und der Sportartikel-Riese nun bestätigte. Angesichts eines sich radikal wandelnden Marktes geben die Nike-Strategen nach. Der Sportartikelhersteller will nun bei Amazon einen offiziellen Shop starten. Der Direktverkauf startet als Pilotprogramm vorerst testweise mit ausgesuchten Produkten, erklärte Nike-Konzernchef Mark Parker bei der Vorlage der Quartalszahlen. Laut dem WSJ soll Nikes ffizieller Verkauf via Amazon schon Mitte Juli starten. Zusammen mit starken Quartalszahlen schickte die Nachricht den Aktienkurs von Nike auf Höhenflug.

Für die Kehrtwende ist eine Reihe von Gründen ausschlaggebend. Mindestens einer hat mit Adidas zu tun. Der Erzfeind aus Deutschland verkauft seine Ware bereits seit drei Jahren direkt über Amazon.

Das versetzt die Herzogenauracher in eine komfortable Lage. Amazon glänzt als verlässliche Alternative, während große Shopping-Zentren und Sport-Fachhändler in den USA reihenweise in die Knie gehen wegen des boomenden Online-Handels.

Die gute Beziehung zu Jeff Bezos' Konzern half Adidas-Chef Kasper Rorsted, den Marktanteil auf dem Sportschuh-Markt in diesem Jahr von 7 auf 11 Prozent zu steigern. Ähnliche Erfolge gelangen Firmen wie Under Armour und TaylorMade.

Nikes Konkurrenz hat damit auch einen Vorsprung im Kampf gegen eine lästige Plage, die so genannten Drittverkäufer. Sie bieten Nike-Produkte seit Jahren in rauen Mengen über Amazon an. Um die Präsentation der Markenwelt von Nike oder um ein besonderes Online-Einkaufserlebnis machen sich die Drittverkäufer jedoch kaum Mühe. Sie wollen ihre Produkte schnell loswerden, gerne auch mal zum Diskontpreis. Und deshalb schaden sie dem Sportartikelriesen eher als sie ihm nützen.

Der Sportkonzern hielt mit seinem eigenen Online-Auftritt und den Geschäften zwar lange ganz ordentlich dagegen. Doch zuletzt nahm der Zwischenhandel immer größere Ausmaße an.

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