23.06.2017  Rückabwicklung des Kaufs angestrebt

Media Saturn will Redcoon offenbar loswerden

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Im Juli 2011 noch voller Erwartungen: Metro-Finanzvorstand Olaf Koch in Aschaffenburg während einer Pressekonferenz zur Übernahme von Redcoon. Heute ist Koch Metro-Vorstandschef und die Onlinetochter offenbar nicht mehr wohl gelitten
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Im Juli 2011 noch voller Erwartungen: Metro-Finanzvorstand Olaf Koch in Aschaffenburg während einer Pressekonferenz zur Übernahme von Redcoon. Heute ist Koch Metro-Vorstandschef und die Onlinetochter offenbar nicht mehr wohl gelitten

Die Metro-Tochter Media Saturn hatte große Erwartungen, als sie 2011 Redcoon kaufte. Erfüllt haben sie sich bislang nicht. Gleichwohl schloss Metro-Vorstand und Media-Saturn-Chef Pieter Haas eine Trennung von der Vertriebstochter zuletzt noch bei der Vorlage der Halbjahreszahlen aus. Hinter den Kulissen aber verfolgt der Elektronikhändler offenbar eine andere Strategie.

Media-Saturn wolle vor einem Schiedsgericht die Rückabwicklung des Kaufs erreichen, berichtet die Lebensmittel-Zeitung (LZ). Dazu habe sie die ehemaligen Gesellschafter verklagt und argumentiert mit angeblichen Kartellrechtsverstößen.

Solch ein Verfahren sei für Streitfälle rund um den Kaufvertrag festgelegt worden. Das Schiedsgericht solle bis Ende des Jahres entscheiden. Ob sich der Kauf auf diesem Weg nach sechs Jahren und diversen Umbauten noch rückabwickeln lässt, scheint allerdings zweifelhaft, berichtet die Lebensmittel-Zeitung.

Der Handelskonzern Metro will sich aufspalten. Das Elektronikgeschäft, wozu auch Redccon gehört, soll unter dem Namen Ceconomy in eine eigene börsennotierte Gesellschaft übergehen. Gegen die Aufspaltung hat eine Handvoll Aktionäre eine ganze Reihe von Klagen eingereicht - mit bislang geringem Erfolg.

In Werbevideos pflegte Redcoon 2013/14 noch sein "Billig"-Image

Metro hatte Redcoon 2011 gekauft, um seiner Online-Strategie auf die Beine zu helfen. Mit den Marken Media Markt und Saturn war der Konzern damals noch nicht mit eigenen Online-Shops am Start. Inzwischen allerdings läuft das Geschäft der beiden Ketten im Internet - auch zu Lasten von Redcoon. Die Vertriebstochter schrieb zuletzt Verluste.

Bis 300 Millionen Euro Forderungen an Ex-Gesellschafter

Metro hatte beim Kauf von Redcoon erhofft, den Umsatz der Gesellschaft binnen fünf Jahren von rund 400 Millionen Euro auf 1 Milliarde mindestens zu verdoppeln. Stattdessen aber musste der Konzern Redcoon umbauen, Online-Shops im europäischen Ausland schließen und die Media-Saturn-Infrastruktur integrieren.

Laut "Lebensmittel-Zeitung" sollen sich die Forderungen an die ehemaligen Redcoon-Gesellschafter Reiner Heckel, Johannes Majdic und Jürgen Bartsch auf bis zu 300 Millionen Euro summieren. Diese Summe umfasse sowohl den Kaufpreis als auch bislang aufgelaufene Verluste von Redcoon.

Anwälte von Media Saturn würden Redcoon insgesamt mindestens 60 Kartellrechtsverstöße vorwerfen und diese als zentrales Argument für eine Rückabwickung des Kaufes geltend machen, heißt es in dem Bericht weiter. Bei den möglichen Kartellrechtsverstößen, die noch vor dem Kauf begangen worden sein sollen, handelte es sich laut Lebensmittelzeitung um "preisbezogene Kommunikation zwischen Redcoon-Angestellten und verschiedenen Lieferanten des Online-Händlers".

Weder die ehemaligen Gesellschafter noch Media Saturn hätten sich zu dem Sachverhalt äußern wollen.

rei

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