21.06.2017  Ärgerlich für Tönnies und Co.

Peak Pork - Schweinefleisch-Boom in China ist am Ende

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Fleischverkauf in Shenyang, China
DPA
Fleischverkauf in Shenyang, China

Auf dem Heimatmarkt läuft das Geschäft für die deutsche Schweinefleisch-Industrie schon seit langem eher flau - doch nun gerät auch das lange florierende Exportgeschäft in Gefahr. Ausgerechnet die Chinesen greifen nicht mehr so beherzt bei Schinken, Schulter und Füßen zu, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Bereits im dritten Jahr in Folge geht der Schweinefleisch-Konsum in der Volksrepublik zurück - auf zuletzt 40,85 Millionen Tonnen 2016. Zwei Jahre zuvor waren es noch 42,5 Millionen Tonnen. In diesem Jahr soll es laut dem Marktforschungsunternehmen Euromonitor weiter abwärts gehen auf dem größten Fleischmarkt der Welt.

Für international agierende Konzerne wie Tönnies aus Rheda-Wiedenbrück schrumpft damit zusehends ein Hoffnungsmarkt zusammen wie ein Billig-Schnitzel in der Pfanne. Noch vor einiger Zeit hatten Experten nahezu ungebremstes Wachstum bis etwa 2026 in Aussicht gestellt.

Festmachen lässt sich die Beobachtung demnach besonders gut an den beliebten Knödeln ("Jiaozi"). Diese fragten Verbraucher zunehmend in rein vegetarischer Form nach. Insbesondere die Kundschaft im Alter von 20 bis 35 Jahren wendet sich offenbar vom Fleisch ab.

"Sie wollen einmal die Woche mehr gesunde Produkte essen" zitiert die Agentur Marketing-Manager Ellis Wang vom US-Lebensmittelriesen General Mills. "Das hat sich zu einem großen Trend entwickelt."

Immer stärker sei Gemüse gefragt - seien es Avocados oder Fruchtsäfte. Dahinter steht bei vielen Chinesen oft die Sorge um das eigene Körpergewicht und die Gesundheit. "Die Menschen, denken es ist gesünder, weniger Fleisch zu essen", sagte Lebensmittelindustrie-Analyst Pan Chenjun von der Rabobank.

Die Entwicklung schlägt sich bereits bei den Schweinefleisch-Preisen nieder. Um satte 25 Prozent ging allein es seit Januar abwärts, obwohl das Angebot gesunken ist.

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Das bringt auch die Kalkulationen deutscher Exporteure durcheinander. Denn diese haben zuletzt zunehmend auf China gesetzt. Im Jahr 2015 führten Unternehmen gut 113.000 Tonnen laut Statista gefrorenes Schweinefleisch in die Volksrepublik aus - 140 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Die Industrie sieht bereits wachsende Risiken, "da die Abhängigkeit von China sehr groß geworden ist", wie der Bundesverband der deutschen Fleischwarenindustrie zuletzt mitteilte. Weitere Erfolg versprechende neue Märkte seien in jüngster Zeit nicht hinzugekommen.

Auch Schlachtkonzern Tönnies, Deutschlands Schweinefleisch-Produzent Nummer eins, kämpft auf dem wichtigen Exportmarkt China mit Problemen. Chinesische Behörden untersagten Anfang des Jahres die Einfuhr von Schweinefleisch aus zwei deutschen Standorten.

Offizieller Grund für die inzwischen beendete Sperre waren hygienische Mängel. Doch hinter vorgehaltener Hand ist auch von politischen Gründen die Rede. Die schwache Schweinefleisch-Nachfrage, unter der nicht zuletzt die chinesischen Hersteller leiden, dürfte einer davon gewesen sein.

mit rtr

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