11.04.2017  US-Einzelhändler brechen reihenweise zusammen

Amazon befeuert neue Schrotthypotheken-Spekulation

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Filiale der insolventen Kette RadioShack
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Filiale der insolventen Kette RadioShack

Amerikas gigantische Shopping-Malls sind legendär. Doch sie sind immer öfter gähnend leer. Flächendeckend bricht deshalb das Finanzierungsmodell für Einkaufszentren zusammen - Investoren bleiben vielfach auf Schrotthypotheken sitzen.

Amerikas Einzelhandels-Manager wirken dieser Tage regelrecht deprimiert. "Die Blase ist geplatzt", sagte der Chef der Kleidungskette Urban Outfitters, Richard Hayne, angesichts geschlossener Filialen und fehlender Kunden, nachdem die Branche jahrzehntelang auf Boom-Kurs war.

Online-Primus Amazon setzt den klassischen Ketten derart zu, dass sie in Rekordzahl Insolvenz anmelden: Der (ehemalige) Schuhriese Payless ist diesen Schritt gegangen, ebenso die Elektronik-Filialisten HHGregg und RadioShack. Sogar Luxus-Anbieter schließen Vorzeige-Geschäfte, wie zuletzt Ralph Lauren das Flagship-Store auf New Yorks Fifth Avenue.

Satte 8500 Filialen könnten Händler landesweit in diesem Jahr zumachen, erwarten die Analysten von Credit Suisse (CS) - so viele wie nie zuvor. "Bequem einzukaufen bedeutet heute, mit dem Tablet in Unterwäsche auf dem Sofa zu sitzen", zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg CS-Experten Christian Buss. Etwa 10 Prozent der Einzelhandelsfläche sei schlicht überflüssig.

Die Folgen bewegen auch den Finanzmarkt. Spekulanten wetten in wachsender Zahl darauf, dass Einkaufszentren ihre Kredite nicht mehr bedienen können, weil Mieter ausfallen.

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Damit verlieren Papiere an Wert, die derartige Hypotheken bündeln: Commercial Mortgage-backed Securities (CMBS). Der Mechanismus unterscheidet sich wenig von der Immobilienkrise vor etwa zehn Jahren, als Besitzer von Privathäusern ihre Darlehen reihenweise nicht mehr abzahlen konnten. Inzwischen seien Kredite im Wert von 48 Milliarden Dollar von Zahlungsausfall bedroht, haben Kreditanalysten von Morningstar errechnet.

Gemessen am Gesamtvolumen aller CMBS-Papiere in Höhe von 365 Milliarden Dollar ist das noch nicht extrem viel. Beunruhigend ist allerdings die Tendenz. So ist das Volumen von Short-Positionen auf zwei besonders riskanteste CMBS-Tranchen binnen Jahresfrist um 50 Prozent auf 5,3 Milliarden Dollar gestiegen. Messen lässt sich das auch an steigenden Kursen für Kreditausfall-Versicherungen.

"Die Probleme bei Krediten für Einkaufszentren sind deutlich größer als in anderen Bereichen", sagte Analyst Michael Yannell von Gapstow Capital Partners gegenüber Bloomberg. Vielerorts kommt eine Art Todesspirale in Gang: Zunächst fällt ein so genannter Ankermieter in der Mall aus, zum Beispiel eine Filiale der angeschlagenen Ketten J.C. Penny (Gemischtwaren) oder Sears (Textilien).

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