10.04.2017  Scharfe Kritik an Rocket Internet

Versandhaus-Milliardär Otto greift Samwer frontal an

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"Das ist auch eine Frage der Glaubwürdigkeit geworden": Michael Otto, Aufsichtsratschef der Otto Group, kritisiert Rocket Internet und seinen Chef Oliver Samwer
REUTERS; DPA
"Das ist auch eine Frage der Glaubwürdigkeit geworden": Michael Otto, Aufsichtsratschef der Otto Group, kritisiert Rocket Internet und seinen Chef Oliver Samwer

Michael Otto, Aufsichtsrat- und Ex-Vorstandschef des Konzerns, hat in den vergangenen Jahren das Onlinegeschäft des Versandhändlers stark ausgebaut. Auf Gruppenebene spielten die mehr als 100 Onlineshops weltweit rund 7 Milliarden Euro des Gruppenumsatzes (12,5 Milliarden) im vergangenen Geschäftsjahr ein - ein Plus von 10 Prozent. In gleichem Ausmaß wuchsen die Umsätze hierzulande auf rund 5 Milliarden Euro. Viel Geld im Internethandel will auch Oliver Samwer machen. Für den Chef von Rocket Internet hat Otto mittlerweile nur noch scharfe Kritik übrig

"Anfangs empfand ich Rocket durchaus als Segen, weil es den Boden bereitet hat. Mittlerweile sehe ich die Performance der Firma als eher belastend", erklärte Otto in einem Interview mit dem "Handelsblatt" (kostenpflichtig). "Es wurden viele Versprechen gegeben, die nicht gehalten wurden. Das ist auch eine Frage der Glaubwürdigkeit geworden - und das färbt leider auf die gesamte Szene ab."

Otto stellt damit unverblümt in aller Öffentlichkeit die Seriosität von Samwers Unternehmensreich in Frage - ein höchst seltener Vorgang. Dabei sinkt der Stern der Berliner Start-up-Schmiede schon länger.

Ende Februar schmiss der schwedische Großaktionär Kinnevik entnervt die Hälfte seiner Anteile auf den Markt und riss damit die Aktie weiter in den Keller. Erneut bat Samwer daraufhin die Anleger um Geduld: Schreibt doch die Mehrzahl der Rocket-Beteiligungen immer noch Verluste. Dabei galt Samwer - freiwillig oder nicht - oft im selben Atemzug mit Amazon-Chef Jeff Bezos genannt - als der personifizierte Totengräber des internationalen Einzelhandels.

Otto setzt auf digitale Weiterentwicklung des Versandhändlers

Dabei bräuchte es aus Sicht von Otto durchaus mehr Risikobereitschaft in Deutschland. "Der Anteil der jungen Menschen, die sich selbstständig machen wollen, ist in Deutschland noch viel zu gering." Von Gymnasien und Hochschulen in Deutschland wünscht sich Otto für den Nachwuchs mehr Impulse für eine mögliche Selbständigkeit: "Ein bisschen mehr Wirtschaft täte unseren Ausbildungsstätten auf jeden Fall gut."

Dem 73-Jährigen liegt nach eigenen Worten viel an der digitalen Entwicklung des Versandhändlers und ist deshalb mit dem Risikokapitalgeber "Eventures" eine engere Verbindung eingegangen. Michael Otto ist nach eigenen Angaben mit einem höheren zweistelligen Millionenbetrag und die Otto-Gruppe selbst mit einem "nennenswerten" dreistelligen Millionenbetrag an Risikokapitalfonds von Eventures beteiligt.

Andreas Haug, Partner und Mitgründer des Risikokapitalgebers, pflichtet Otto in dem Doppelinterview bei: "Ich sehe mit Skepsis, wie weit verbreitet noch der Wunsch nach einer Beamtenkarriere ist."

Eventures hat nach eigenen Angaben rund 140 Start-ups im Portfolio. Zu den international bekannten Investments zählen unter anderem Groupon, Angie's List, Shopping.com, Del.icio.us, Sonos und Kaufda. Zu den ersten Geldgebern nach der Finanzkrise zählte Otto

Die Bedingungen für Risikokapital in Deutschland hält Michael Otto für wenig attraktiv. "Gewinne müssen voll versteuert werden, Verluste sind nur begrenzt abschreibungsfähig", kritisiert der Milliardär. Forbes schätzt sein Vermögen zuletzt auf 7,7 Milliarden Dollar und platziert Otto damit auf Rang 174 im Reichsten-Ranking. Im Vorjahr hatte Otto laut Forbes noch Platz 51 belegt.

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