08.02.2017  Jan Bredack, Chef der kriselnden Kette Veganz

"Wir sind schon hart als Kapitalisten kritisiert worden"

Ein Interview von
Vegan-Unternehmer Jan Bredack: "Als Unternehmer sehe ich die Sache pragmatisch"
DPA
Vegan-Unternehmer Jan Bredack: "Als Unternehmer sehe ich die Sache pragmatisch"

Raus aus der Nische, rein in den Massenmarkt: Die Supermarktkette Veganz steht wie kein zweites Unternehmen für die Etablierung des Lifestyle-Trends vegane, also von Tierprodukten freie Ernährung. Für die Wandlung zum ernsten Geschäftsmodell steht auch Gründer Jan Bredack, ein früherer Daimler-Manager. Mitten in die Euphorie platzte im Januar die Meldung vom Insolvenzantrag der Veganz Retail GmbH, Bredack selbst nannte sein eigenes Filialmodell "überholt". Wie es weitergehen soll, erklärt er im Interview mit manager-magazin.de.

manager-magazin.de: Herr Bredack, Ihre Supermarktkette Veganz hat Insolvenz angemeldet. Wie geht es Ihnen damit?

Bredack: Mich persönlich macht die jetzige Situation betroffen, weil ich den Supermärkten emotional verbunden bin. Wir haben die Supermärkte schließlich mit einer Vision eröffnet. Doch als Unternehmer sehe ich die Sache eher pragmatisch. Die Planinsolvenz der Märkte schlägt sich nicht stark auf unser gesamtes Unternehmen nieder. Schließlich geht es nur um die Filialen außerhalb Berlins. Der Großhandel ist nicht betroffen.

mm.de: Wie läuft denn das Insolvenzverfahren in Eigenregie? Die Filialen in Frankfurt, München und Leipzig sind ja schon geschlossen.

Bredack: Was mit den Geschäften in Essen und Hamburg passiert, ist noch offen. Wir verhandeln unter anderem mit den Vermietern. Die Filialen in Prag und Wien sind nicht gefährdet.

mm.de: Machen Sie es sich mit der Insolvenz nicht etwas leicht? Sie sanieren oder schließen Filialen auf Kosten Ihrer Geschäftspartner, anstatt das Geld aus dem ansonsten angeblich florierenden Mutterunternehmen dafür aufzuwenden.

Bredack: Es stimmt, wir verbessern durch den Schritt unsere Position am Verhandlungstisch. Die berechtigte Hoffnung ist aber, dass wir dadurch manche Teile sanieren können statt einfach nur abzuwickeln. Wir übernehmen in dem von uns gewählten Insolvenzverfahren in Eigenregie unternehmerische Verantwortung.

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