08.02.2017  Weltgrößte Reederei in der Krise

Jim Hagemann Snabe soll Erbe der Maersk-Matriarchin retten

Von
DPA, Maersk

Es läuft rund für Jim Hagemann Snabe. Gerade erst offiziell zum künftigen Chef des Siemens -Aufsichtsrat auserwählt, soll der 51-Jährige nun auch den schwächelnden dänischen Reederei-Konzern A.P. Møller-Maersk in ruhigeres Fahrwasser steuern - als Chef des Verwaltungsrats. Das teilte Maersk am Mittwoch mit. Snabe folgt auf Michael Pram Rasmussen, der seinen Rücktritt nach 14 Jahren ankündigte.

Anspruch und Wirklichkeit passen beim dänischen Reederei-Konzern A.P. Møller-Maersk derzeit nicht gut zusammen. Einerseits demonstriert das Unternehmen Stärke, indem es einen langfristigen Plan für die eigene Aufspaltung in Schifffahrts- und Energiesparte vorgelegt hat. Zudem hat es gerade die Traditionsreederei Hamburg Süd geschluckt.

Doch die Krise in der Container-Schifffahrt und hohe Abschreibungen in den Ölsparten haben A.P. Møller-Maersk 2016 tief in die roten Zahlen gedrückt. Unter dem Strich machte das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr 1,9 Milliarden US-Dollar (rund 1,78 Milliarden Euro) Verlust. Der Umsatz sank von knapp 40,4 auf rund 35,5 Milliarden Dollar. "2016 war finanziell ein schwieriges Jahr, mit Gegenwind auf allen unseren Märkten", sagte Maersk-Chef Søren Skou laut einer Mitteilung.

Folgen Sie Nils-Viktor Sorge auf twitter

"Der Zeitpunkt, als Vorsitzender zurückzutreten, ist sowohl für mich als auch für das Unternehmen der richtige", sagt nun Pram Rasmussen. Nachfolger Snabe - ein gebürtiger Däne - saß schon im Vorstand des Software-Konzerns SAP (inzwischen im Aufsichtsrat) und ist seit vergangenem Jahr Mitglied des Maersk-Verwaltungsrats. Dort arbeitet er unter anderem mit Dorothee Blessing zusammen, Topmanagerin für die US-Bank J.P.Morgan in Europa.

Firmen-Matriarchin Ane Mærsk Mc-Kinney Uggla gibt den Ton an

Snabes Chefin wiederum ist Unternehmens-Matriarchin Ane Mærsk Mc-Kinney Uggla. Die Nachfahrin der Reederei-Gründer Peter Mærsk Møller und Sohn A.P. Møller sorgt sich als Chefin der Konzernstiftung um das Unternehmenserbe. Die Stiftung hält mittelbar 51 Prozent der Anteile des Konzerns A.P. Møller-Maersk.

Ihren Sohn Robert (geboren 1978) hat Ane Mærsk Mc-Kinney Uggla (geboren 1948) bereits als neuen starken Mann aufgebaut. Er sitzt seit vergangenem Jahr der zwischengeschalteten Maersk-Holding vor.

Die Marschroute für Snabe und den Maersk-Konzern ist derweil vorgegeben. Sein Ölgeschäft will das Unternehmen in den nächsten zwei Jahren ganz oder in Teilen abspalten.

Vor allem die Lage in der Container-Schifffahrt sieht der Konzern 2017 wieder zuversichtlicher, nachdem im vergangenen Geschäftsjahr ein Minus von 376 Millionen US-Dollar (etwa 351,4 Millionen Euro) unter dem Strich stand. Seinen Gewinn will Maersk in diesem Bereich um eine Milliarde US-Dollar steigern.

Anfang Dezember hatte die Oetker-Gruppe angekündigt, ihre Reederei Hamburg Süd wegen der anhaltenden Flaute im Containergeschäft an Maersk zu verkaufen. Stimmen die Kartellbehörden zu, soll der Deal bis Ende 2017 über die Bühne gehen.

Der Konkurrent Hapag-Lloyd hatte im November mit eiserner Sparsamkeit einen kleinen Quartalsgewinn erreicht. Die Hamburger Reederei steht kurz vor dem Zusammenschluss mit der arabischen UASC, nach dem sie zur fünftgrößten Container-Reederei weltweit aufsteigen dürfte.

mit dpa-afx

Mehr zum Thema