25.10.2016  Fußballclub in der Finanzmisere

Wie Inter Mailand aus der Verlustzone kommen will

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Inter Mailand war 18 Mal italienischer Meister, drei Mal Gewinner des Europa Cups und immer wieder Teil der Champions League - doch der Club steckt in der Krise - nicht nur spielerisch, sondern auch finanziell. Das Defizit belief sich in der Saison 2014/15 auf 140 Millionen Euro. An diesem Freitag werden die Zahlen für die gerade abgelaufene Saison 15/16. Experten rechnen mit einem Verlust von 60 Millionen Euro, berichet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Immerhin, damit hätte sich das Minus mehr als halbiert. Dahinter steckt der ehrgeizige Plan von Michael Bolingbroke, der 2014 zu Inter kam und damals mit einem Defizit von 104 Millionen Euro kämpfte. Mittlerweile vom Geschäftsführer zum CEO von Inter Mailand ernannt, hatte der Manager 2014 einen Fünf-Jahres-Plan vorgelegt, wie er das Defizit abbauen und den Verein wieder in die schwarzen Zahlen führen möchte.

Dreh und Angelpunkt ist dabei nunmehr der chinesische Einzelhändler Suning Corp., der sich in diesem Jahr mit 270 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung bei Inter erkaufte. "Ich möchte, dass sie konsequent in der Champions League sind. Ich möchte, dass sie Geld machen", sollen die neuen Besitzer zu Bolingbroke gesagt haben. "Ihr Businessplan sieht vor, dass sie in drei Jahren ein positives Ergebnis machen? Großartig, dann los."

Der Optimismus scheint keine Grenzen zu kennen. Dabei wird es für Bolingbroke, dem früheren Chief Operating Officer bei Manchester United, kein leichtes Spiel. Inter hat die Champions League in diesem Jahr verpasst und in der italienischen A-Liga rangiert der Club nach neun Spielen auf Platz 14, Juventus führt mal wieder.

Bolingbroke, so schreibt Bloomberg, habe die Bilanz bereinigt. Abfindungen an frühere Trainer und nicht erfolgreiche Transfers sowie diverse einmalige Kosten sollen rund 50 Millionen Euro verbucht haben. Der Rest seiner Anstrengungen lägen darauf, die Einnahmen aus dem Ticketverkauf zu erhöhen, das Sponsoring insbesondere in Asien anzukurbeln sowie eine schnelle Rückkehr in die Champions League zu erreichen, was zusätzliche Millionen Euro an Einnahmen einbringe.

Verein setzt viel Hoffnung in neue Erlösquellen in China

Allerdings ist der Spielraum der italienischen Mannschaften, Geld zu verdienen nicht so groß wie andernorts in Europa. Die meisten Clubs besitzen nicht ihre Stadien, sondern müssen sie für viel Geld und mit unterschiedlichen Auflagen mieten. Auch die Fernsehverträge gelten als weniger lukrativ als in anderen europäischen Ländern. Nichtsdestotrotz investieren die Clubs mächtig in Transfers, die Etats werden teils deutlich überzogen. So legte der AS Rom beispielsweise zuletzt ein Defizit von 69 Millionen Euro vor.

Die Uefa ihrerseits habe bereits gegen Inter und AS Rom Strafen verfügt, heißt es in dem Bericht weiter. Inter habe sich verpflichtet, bis 2019 den Breakeven zu schaffen. Auch dürfen die beiden Superstars Joao Mário und Gabriel Barbosa, die der neue Inter-Trainer Frank de Boer gerade verpflichtete, nicht in der diesjährigen Europa League spielen - und das obwohl der Club insgesamt rund 70 Millionen Euro für die beiden Spieler hinlegt haben soll. Bloomberg vermutet, dass der Verein nun andere Spieler verkaufen müsse, um sich die Kosten für die beiden Neuzugänge leisten zu können.

Zusätzliche Einnahmen erhofft sich der Verein zudem aus Sponsoring-Geschäften im fernen China. Dank der Kontakte durch den neuen Besitzer könne die Mannschaft 20 Millionen Euro im Jahr zusätzlich erhalten, sagte Bolingbroke laut Bloomberg. Im nächsten Monat will der Verein ein Inter-Vertriebsbüro in Nanjing eröffnen, der Heimatstadt von Sunings.

Bolingbroke glaubt, damit Zugang zu neuen Sponsoren zu finden. Weiteres Augenmerk gilt dem Stadion, dass 80.000 Plätze bietet. Inter zieht pro Spiel 45.000 Fans an, 35.000 Tickets sollen verstärkt kurzfristig verkauft werden. Dazu hat der Club potenzielle Fans identifiziert, die im Umkreis von 90 Minuten rund um das Stadion wohnen, um sie gezielt anzusprechen.

Neue Fans, neue Sponsoren und neue Einnahmen - doch letztendlich hängt alles davon ab, ob die Mannschaft gewinnt. Der Druck ist hoch, vielleicht zu hoch. Bolingbroke: "Wir scheitern, wenn wir keine Trophäen gewinnen."

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