27.02.2018 
Konkurrenz für Elon Musks Prestigeprojekt

Deutscher Mittelständler stiehlt Tesla in Australien die Show

Von Nils-Viktor Sorge
Elon Musk in Australien, dem Schlüsselland für seine Energie-Sparte
Getty Images
Elon Musk in Australien, dem Schlüsselland für seine Energie-Sparte

Der bayerische Batteriespezialist Sonnen kommt Tesla bei einem Prestigeprojekt in Australien in die Quere. Sonnen will den Kaliforniern beim Bau eines virtuellen Kraftwerks aus 50.000 Batterien und Solaranlagen zuvorkommen und zieht dazu eine eigene Fabrik in Adelaide (Bundesstaat Südaustralien) hoch.

Australien spielt für den Elektroauto-Bauer Tesla und seinen Chef Elon Musk eine Schlüsselrolle bei dem Versuch, weltweit auch im Geschäft mit Photovoltaik und Batterien Fuß zu fassen. Strom ist in dem großen und dünn besiedelten Land besonders teuer, weil die langen Leitungen kostspielig im Unterhalt sind.

Vor allem Südaustralien hatte zudem immer wieder Probleme mit Blackouts. Mehr Strom aus Solaranlagen und Batterien sollen die Probleme lindern. Im Jahr 2025 sollen 75 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen kommen. Zudem will die Regierung 25 Prozent des maximalen Strombedarfs aus gespeicherter erneuerbarer Energie decken.

"Südaustralien ist derzeit der heißeste Markt für Stromspeicher", sagte Sonnen-Geschäftsführer Philipp Schröder gegenüber manager-magazin.de. Sein Unternehmen (500 Mitarbeiter, Umsatz 2017: 65 Millionen Euro) vertreibt bereits Speicher auf dem fünften Kontinent und will sein Engagement dort nun vervielfachen.

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Bisher hat vor allem Tesla reichlich Kapital aus der Strom-Krise in Südaustralien geschlagen. So hatte Musk Premierminister Jay Weatherill eine Wette angeboten - und gewonnen: Binnen 100 Tagen ließ Musk einen massiven Batteriespeicher in der Nähe eines Windparks bauen. Hätte er mehr Zeit benötigt, hätte Südaustralien den 50-Millionen-US-Dollar-Akku kostenlos bekommen, wie Musk beteuerte.

Der Speicher springt inzwischen regelmäßig ein, wenn Elektrizität knapp wird. Das passiert etwa, wenn ein Kohlekraftwerk ungeplant ausfällt oder die Strom-Nachfrage während einer Hitzewelle steigt.

Beflügelt vom prächtigen PR-Effekt des Speicherprojekts, setzte Tesla zum nächsten Coup an. Das Unternehmen vereinbarte mit der sozialdemokratischen Regierung den Aufbau eines dezentralen, virtuellen Kraftwerks. Dieses soll aus 50.000 Solaranlagen und kleinen Batteriespeichern bestehen, die Hausbesitzer bei sich installieren. Damit hätte sich Tesla endgültig als alleiniger Retter der südaustralischen Stromversorgung profilieren können.

"Dies konnten wir verhindern", sagt Sonnen-Mann Schröder. Derartige Systeme vernetzter Kleinspeicher sind eine Stärke der Bayern. Also boten sie den Bau einer Batteriefabrik in Südaustralien an. "Wir planen einen zweistelligen Millionenbetrag zu investieren", sagt Schröder. Es sollen 430 Arbeitsplätze entstehen. Sonnen kam zugute, dass derzeit ein heftiger Wahlkampf in Südaustralien tobt. Premier Weatherill muss um seine Mehrheit im Parlament zittern und kann jede gute Nachricht gebrauchen.

Und so sicherte die Regierung Sonnen im Gegenzug zu, dass sie die Mittel aus einem 100-Millionen-Dollar Kreditprogramm für Speicher vorrangig für Akkus aus heimischer Produktion freigeben werde. Andere Anbieter wie Tesla oder LG Chem (Korea) haben eine solche Fertigung bisher nicht angekündigt.

Sonnen ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und hat zahlreiche namhafte Investoren an Bord geholt. Dazu zählen General Electric , der tschechische Stromversorger CEZ und mehrere Fianzinvestoren. Zwischenzeitlich soll sich auch Tesla für einen Einstieg bei dem Unternehmen interessiert haben. Sonnen-Geschäftsführer Schröder war 2014 und 2015 Deutschland-Statthalter von Tesla, bevor er zu den Bayern wechselte.

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