24.05.2018  Guerilla-Strom als Geschenk für Energiekonzerne

Warum Mini-Solaranlagen falsche Hoffnungen wecken

Von Nils-Viktor Sorge
Mini-Solaranlage
youtube/minijoule
Mini-Solaranlage

Die Ansprache lässt an Klarheit wenig zu wünschen übrig. "Mathe ist doof? Nicht mit Minijoule! Solar-Power rechnet sich", wirbt der Anbieter von kleinen Photovoltaikanlagen für Selbstversorger. Minijoule stellt Käufern eines solchen Geräts eine Rendite von 14,8 Prozent in Aussicht. Möglich werde sie, weil der selbst erzeugte und verbrauchte Solarstrom deutlich billiger sei als Elektrizität vom Versorger.

Den großen Konzernen ein Schnippchen schlagen und dabei auch noch mühelos Geld verdienen - ganz so einfach ist die Rechnung jedoch nicht. Vielmehr sind die Hoffnungen, die manche derartige Solar-Anbieter wecken, trügerisch, wie Recherchen von manager-magazin.de ergeben.

1+1=2: Werbung für Mini-Solaranlage
1+1=2: Werbung für Mini-Solaranlage

Tatsächlich lässt sich der finanzielle Vorteil der oft als Guerilla-Solaranlagen bezeichneten Geräte gar nicht exakt berechnen - und dürfte nach Einschätzung von Fachleuten oft deutlich unter dem Erhofften liegen. Ein Großteil des produzierten Stroms fließt nämlich ungenutzt und unvergütet ins öffentliche Stromnetz. Somit schenken Menschen, die sich von Stromkonzernen unabhängig machen wollen, ausgerechnet diesen Unternehmen Elektrizität.

Wie Mini-Solaranlagen funktionieren

Mit Mini-Solaranlagen von Herstellern wie Minijoule, Energetica ("Simon") oder Bosswerk ("Self PV"), können sich auch Mieter oder Wohnungsbesitzer in kleinem Rahmen an der Energiewende beteiligen. Sie schließen die zwischen 300 und 800 Euro teuren Geräte (hier eine Übersicht) an eine haushaltsübliche Schuko-Steckdose an - zum Beispiel auf dem Balkon.

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Das ist seit vergangenem Jahr offiziell erlaubt, wenn Besitzer die Anlage dem Stromnetzbetreiber melden. Einmal eingesteckt, liefert die Solaranlage Strom ins Haus- oder Wohnungsnetz, wo er sich direkt nutzen lässt. Eine Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) beantragen Nutzer wegen des großen bürokratischen Aufwands in der Regel nicht.

Das Problem: Es ist für Nutzer nahezu unmöglich, immer so viel Strom zu verbrauchen, wie erzeugt wird. Dies gilt vor allem, wenn niemand zu Hause ist.

"Über den Tag gesehen, klaffen Solarstrom-Erzeugung und Bedarf auseinander", sagt Kathrin Graulich, Expertin für nachhaltigen Konsum am Freiburger Öko-Institut mit Blick auf typische Haushalte. "Ich würde sehr skeptisch mit Renditeversprechen für solche Anlagen umgehen."

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