13.04.2018 
Erstmals Blick in die Bücher von Saudi Aramco

Diese Firma macht den weltgrößten Profit - aber nicht genug

Von
Saudi-Aramco-Chef Amin Nasser
REUTERS
Saudi-Aramco-Chef Amin Nasser

Das saudi-arabische Königshaus hütet einen sagenhaften Schatz. Als größtes, mächtigstes, wertvollstes Unternehmen der Welt wird der Ölkonzern Saudi Aramco gerühmt. Seit 1976 gehört die einst mit amerikanischem Kapital gegründete Firma (Aramco steht für Arabian-American Oil Company) dem Staat allein, und seitdem hat die Außenwelt keine belastbare Geschäftszahl gesehen.

Bis heute. "Bloomberg" hat einen Abschluss für das erste Halbjahr 2017 ausgewertet, erstellt nach dem internationalen Bilanzstandard IFRS. Seit Saudi-Kronprinz Mohammed bin Salman das Unternehmen an die Börse bringen will und Investmentbanken für den Rekord-Deal angeheuert hat, muss Aramco auf die dafür nötige Transparenz vorbereitet werden. Aktuell wird der Börsengang - natürlich der mit Abstand größte je da gewesene - für 2019 erwartet.

Salman rechnet mit 100 Milliarden Dollar Erlös für einen 5-Prozent-Anteil, den er an ausländische Kapitalgeber abgeben mag. Das würde einen Börsenwert von zwei Billionen Dollar ergeben, mehr als das Doppelte des bisherigen Spitzenreiters Apple . Schon lange kursieren Zweifel, ob solche Bewertungen haltbar sind; interne Schätzungen sollen von einem Bruchteil ausgehen.

Nach der "Bloomberg" vorliegenden Bilanz scheint immerhin eines klar: Aramco ist nicht nur der mit Abstand größte Energielieferant, sondern auch das gewinnträchtigste Unternehmen der Weltwirtschaft. Im ersten Halbjahr 2017 blieben demnach 33,8 Milliarden Dollar netto übrig, mehr als die auch schon Schwindel erregenden 28,9 Milliarden Dollar von Apple.

Und das in einem Zeitraum, als der Ölpreis mit durchschnittlich 53 Dollar je Fass noch deutlich tiefer lag als heute. Der Bericht bestätigt die sensationell niedrigen Produktionskosten, die Aramco dank der ergiebigen Ölquellen in der heimischen Wüste genießt. Andere Ölfirmen mögen bei diesen Preisen pleite gehen, die Saudis sind immer noch hochprofitabel. Je teurer der Rohstoff, desto mehr Geld verdient der Konzern, auch wenn dem Zahlenwerk zufolge seit 2017 in Saudi-Arabien ein neues Steuerregime gilt, das auch die Abgabenlast von Aramco mit dem Ölpreis deutlich steigen lässt.

Außerdem wies Aramco zum Bilanzstichtag nur 1,3 Milliarden Dollar Schulden aus, gemessen an der Größe des Unternehmens also fast keine. Und die an die Eigner - also die Königsfamilie - ausgekehrte Dividende von 13 Milliarden Dollar konnte sich auch sehen lassen, wenngleich der Vorsprung gegenüber westlichen Ölkonzernen wie Exxon Mobil oder Shell nicht sehr groß war.

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