19.01.2018 
RWE-Chef Schmitz im Interview

"Großer Vertrauensverlust" - RWE-Chef rechtfertigt Terium-Abgang

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 "Über die Jahre ein sehr vertrauensvolles Verhältnis": Ex-Innogy-Chef Peter Terium (r.), und RWE-Chef Rolf Martin Schmitz (l.) (Archivbild)
DPA
"Über die Jahre ein sehr vertrauensvolles Verhältnis": Ex-Innogy-Chef Peter Terium (r.), und RWE-Chef Rolf Martin Schmitz (l.) (Archivbild)

Im Interview mit dem manager magazin äußert sich RWE-Chef Rolf Martin Schmitz zum ersten Mal zum spektakulären Abgang von Innogy-CEO Peter Terium.

Das abrupte Ausscheiden von Innogy-CEO Peter Terium Ende Dezember rechtfertigt RWE-Chef Rolf Martin Schmitz im Gespräch mit manager magazin (Erscheinungstag: 19. Januar) mit der harschen Börsenreaktion. Der Kapitalmarkt habe mit einem "großen Vertrauensverlust" reagiert.

Terium hatte via Ad-hoc-Meldung angekündigt, dass die Grünstromfirma, an der RWE 77 Prozent hält, das Ergebnis für 2017 um rund 100 Millionen Euro verfehlen würde, die Erwartung für 2018 um rund 200 Millionen. In den darauffolgenden Tagen, so Schmitz, seien die Börsenwerte sowohl von Innogy als auch RWE "dramatisch" abgerutscht (bei Innogy in der Spitze um 4 Milliarden Euro, bei RWE um rund 2,5 Milliarden). Einen solchen Absturz habe man nicht mit dem angekündigten Ergebnisrückgang erklären können. Schmitz: "Das stand nicht mehr im Einklang mit den Zahlen."

Schmitz erklärte, er halte die Strategie von Innogy "nicht für falsch", kritisierte aber die mangelnde Kostenkontrolle. Man müsse "strenge Kostendisziplin im Stammgeschäft wahren, um dort genug Geld für Neues zu erwirtschaften". Der RWE-Anführer betont, "über die Jahre ein sehr vertrauensvolles Verhältnis" zu Terium gehabt zu haben, "und zwar bis heute, das will ich ganz deutlich sagen". Schmitz rechnet damit, dass die Suche nach einem Nachfolger "noch mehrere Wochen" dauern könne.

Die Energiepläne von Union und SPD, die unter anderem vorsehen, dass eine Kommission bis Ende 2018 die Details des Kohleausstiegs festlegen soll, bewertet Schmitz positiv: "In dem, was aufgeschrieben wurde, steckt mehr Realismus als bei Jamaika". Die Runde habe sich damals "festgebissen" an Gigawattzahlen: "Wie viele Kohlekraftwerke sollen möglichst schnell vom Netz?" Diese Frage, hofft der RWE-Manager, wolle man nun offenbar "elegant" lösen: Wenn die Kommission "vertrauensvoll und vertraulich" arbeite, habe sie eine Chance, "die Diskussion zu befrieden".

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