30.07.2015 
Größte Energiegenossenschaft Deutschlands

Ende der Insolvenz - "Prokon 2.0" startet

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Prokon-Schilder in Hannover: Das Energieunternehmen macht künftig als Genossenschaft weiter
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Prokon-Schilder in Hannover: Das Energieunternehmen macht künftig als Genossenschaft weiter

Startschuss für "Prokon 2.0": Das Amtsgericht in Itzehoe hat beschlossen, das Insolvenzverfahren über die durch schwere Zeiten gegangene Windkraftfirma aufzuheben. Ab 1. August kann damit die bereits neu eingetragene Genossenschaft Prokon Regenerative Energien eG auf eigenen Beinen in die Zukunft starten. Es dürfte die größte Energiegenossenschaft Deutschlands sein.

Vorausgegangen ist eines der "komplexesten Insolvenzverfahren der deutschen Wirtschaftsgeschichte", wie Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin aus Hamburg kürzlich auf der entscheidenden Gläubigerversammlung gesagt hatte. Zudem war es einer der größten Anlegerskandale der jüngeren Zeit. Insgesamt 75.000 Investoren hatten vor Jahren zusammen rund 1,4 Milliarden Euro in Genussrechte von Prokon gesteckt.

Prokon war Anfang 2014 nach hohen Verlusten in die Pleite gerutscht, weil immer mehr Anleger ihr investiertes Geld zurückhaben wollten. Der Prokon-Gründer und langjährige Chef Carsten Rodbertus hatte die Geldgeber mit dem Versprechen von Renditen von 6 Prozent und mehr in die Investments gelockt. Inklusive weiterer Geschädigter wie Stromkunden, Lieferanten und Geschäftspartnern gab es in dem Insolvenzverfahren etwa 100.000 Gläubiger.

Zwei Prokon-Gläubiger auf der Versammlung Anfang Juli in Hamburg
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Zwei Prokon-Gläubiger auf der Versammlung Anfang Juli in Hamburg
Die Weichen für die Zukunft wurden Anfang Juli auf einer großen, mehrstündigen Gläubigerversammlung in den Hamburger Messehallen gestellt. Rund 2500 anwesende Gläubiger sowie eine Vielzahl mehr, die sich über Vollmachten vertreten ließen, konnten sich zwischen zwei Insolvenzplänen entscheiden: Entweder das Unternehmen würde in eine Genossenschaft verwandelt und von den bisherigen Investoren als künftigen Mitgliedern weiterbetrieben, oder es würde für 550 Millionen Euro an den Stromkonzern EnBW aus Stuttgart verkauft. Die Gläubiger entschieden sich mit riesiger Mehrheit für das Genossenschaftsmodell.

Welche Perspektiven Prokon in dieser Form künftig haben kann, stellte der Interims-Geschäftsführer Kai Peppmeier auf der Gläubigerversammlung ausführlich dar. Demnach handelt es sich bei Prokon mit seinen noch rund 300 Mitarbeitern inzwischen offenbar wieder um ein gesundes Unternehmen.

Prokon blickt optimistisch in die Zukunft

Prokon wurde in den vergangenen 18 Monaten auf die Kernkompetenzen Wind und Strom zusammengestutzt, so Peppmeier. Defizitäre Randbereiche wie ein Call-Center oder eine Druckerei wurden abgestoßen. Selbst die firmeneigene Cessna ist bereits verkauft, sagte Peppmeier.

Aus der Verwertung verbleibender Randgeschäfte wie eines Palettenwerks im sächsischen Torgau oder von Wäldern in Rumänien erhoffen sich die Verantwortlichen noch Erlöse von rund 215 Millionen Euro. Das Geld soll einen gewichtigen Teil zur erwarteten Insolvenzquote von insgesamt 58 Prozent beitragen.

Die künftige Prokon - oder "Prokon 2.0", wie sie während der Versammlung mehrfach genannt wurde - sei in der Lage erfolgreich am Markt zu bestehen, so der Tenor. Der Cash-Flow aus den bestehenden Prokon-Windparks mit einer Gesamtleistung von etwa 540 Megawatt fließe stetig, die operativen Gewinne seien bereits stabil.

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Ein neuralgischer Punkt, so Peppmeier, könne die Finanzierung künftiger Projekte sein. Immerhin will Prokon in den kommenden 1,5 Jahren Windanlagen mit einer Leistung von zusammen mehr als 400 Megawatt errichten. Ein Finanzierungsmix aus Banken, Investoren und Genossenschaftsmitgliedern solle für ausreichend frisches Kapital sorgen, sagte Peppmeier. Auch Prokon-Anleihen sollen Anfang 2016 auf den Markt kommen, so der Insolvenzplan.

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