28.08.2018 
Zukunft der Kreuzfahrt- und Containerschiffe

Wo Elektroschiffe die Schifffahrt verändern sollen

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Die Elektrofähre MF Ampere in Norwegen
Bloomberg via Getty Images
Die Elektrofähre MF Ampere in Norwegen

Auf den Weltmeeren wird es immer voller. Dampfer schiffen in Containern Kleidung, Möbel oder auch Quietscheentchen für den Handel um den Globus. Gleichzeitig boomt die Kreuzfahrtbranche: Vergangenes Jahr sind erstmals über zwei Millionen Deutsche mit einem Kreuzfahrtschiff verreist.

Das Aufkommen sorgt dafür, dass Schiffe der Umwelt immer mehr schaden. Ihr Beitrag zur Luftverschmutzung wächst, der Antriebsstoff Schweröl wird verstärkt nachgefragt.

Um das zu bremsen, subventionieren zahlreiche Staaten die Entwicklung elektrischer Antriebe für Schiffe. Institute, Unis und Unternehmen forschen EU-weit an dem Thema.

Der Motoren- und Triebwerkshersteller Rolls Royce, der auch an autonomen Containerschiffen arbeitet, hat so erst vor wenigen Tagen ein Batteriesystem namens "SAVe Energy" auf Lithium-Ionen-Akku-Basis vorgestellt. Die Kapazität soll sich dabei leicht durch den Einsatz zusätzlicher Akkus vergrößern lassen. Bei älteren Modellen soll das System die Schiffe zu einer Art Hybrid umwandeln. Eine erste Reederei in Norwegen nutzt laut Rolls Royce das System bereits, der norwegische Staat hatte die Entwicklung subventioniert.

"Die Norweger sind in dem Bereich am weitesten", sagt Rolf Wüstenhagen, Professor und Direktor des Lehrstuhls für Management erneuerbarer Energien an der Universität St. Gallen. "Sie haben bereits mehrere konkrete Projekte im Serienbetrieb."

"Nicht die Speerspitze der Innovation"

Eines davon ist die Fähre "Ampere", die bereits seit Mai 2015 zwischen den Orten Lavik und Oppedal pendelt. Der Betreiber Norled AS verkündete Anfang des Jahres, das Schiff spare gegenüber üblicher Fähren auf der zwanzigminütigen Fahrt 95 Prozent der CO2-Emissionen und 80 Prozent der Betriebskosten. Bis zu 350 Passagiere und 120 Autos kann die "Ampere" mitnehmen.

"Es ist deutlich einfacher, Schiffe elektrisch zu betreiben, als den Flug nach Australien zu elektrifizieren", sagt Wüstenhagen. Dennoch sei diese Einsicht im Schiffssektor noch recht jung. "Die Branche ist bislang nicht die Speerspitze der Innovation. Die Entscheider sind oft konservativ und Neues ruft Skeptiker auf den Plan."

Der Druck für die Marktteilnehmer ist allerdings gestiegen, seit die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) Ende 2016 beschlossen hat, einzugreifen. Sie schrieb fest, dass ab 2020 in den Kraftstoffen nur noch maximal 0,5 Prozent Schwefel enthalten sein dürfen. Zuvor waren es bis zu 3,5 Prozent. Besonders billig produzierte Schweröl-Treibstoffe können damit nicht mehr verwendet werden.

Organisationen wie der Naturschutzbund oder auch die Europäische Umweltagentur (EEA) sehen weiter Handlungsbedarf. Laut EEA könnte die internationale Schifffahrt bis 2050 17 Prozent aller CO2-Emissionen verursachen, wenn nicht weitere Schritte unternommen werden.

Die Umweltagentur schlägt vor, dass Städte in Häfen eine elektrische Versorgung ermöglichen sollten. Damit könnten die Schiffe ihren Energiebedarf decken und müssten nicht Kraftstoff verbrennen, um ihre Maschinen laufen zu lassen. Auch weist die EEA auf elektrische Fähren wie die Ampere hin, die schon Batterien nutzen und den ökologischen Fußabdruck verbessern.

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