22.11.2018 
Es geht um Millionen Euro

Durchsuchung beim FlexStrom-Chef

Von
Robert Mundt soll bei einer Durchsuchung seiner früheren Villa entdeckt worden sein
action press
Robert Mundt soll bei einer Durchsuchung seiner früheren Villa entdeckt worden sein

Schwarze Jalousien vor den Glasfronten verstecken das Innenleben der pompösen Villa vor der Außenwelt. In diesem Teil Berlins sind neben der Klingel statt der Namen der Bewohner oft nur Kameras installiert.

Insolvenzverwalter Christoph Schulte-Kaubrügger (52) scheint sich davon nicht abschrecken zu lassen. Der Rechtsanwalt der Kanzlei White & Case soll nach Informationen von manager-magazin.de davon ausgehen, dass in der Immobilie ein Mann lebt, der ihm seiner Meinung nach noch Millionen schuldet: Robert Mundt, der Gründer und ehemalige Chef des Stromanbieters FlexStrom.

Die Insolvenz des Unternehmens vor fünfeinhalb Jahren ließ 835.000 Gläubiger zurück - so viele wie keine deutsche Unternehmenspleite zuvor. Im August hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Untreue gegen den früheren CEO erhoben.

Bis heute hat der Insolvenzverwalter keinen Cent von Robert Mundt zu sehen bekommen. Deshalb soll Schulte-Kaubrügger jetzt die Zwangsvollstreckung vorangetrieben haben, wie manager-magazin.de von Personen erfuhr, die mit den Vorgängen vertraut sind. Am 17. Oktober, einem Mittwoch, soll demnach eine Gerichtsvollzieherin am Tor der Villa geklingelt haben. Eine Tochter von Robert Mundt habe die Tür geöffnet - und auch der Ex-Manager sei vor Ort gewesen, heißt es.

Der 54-Jährige habe dann sein gesamtes Vermögen offenlegen und die Richtigkeit seiner Angaben an Eides statt versichern müssen. White & Case kommentiert das nicht. Offenbar soll der Schritt aber Schulte-Kaubrügger dabei helfen, an die Millionen zu gelangen.

Dabei ist Mundt gar nicht mehr als Besitzer der Immobilie eingetragen. Schon 2013 - kurz nach der Insolvenzanmeldung von FlexStrom - hat der Pleitier die Villa überschrieben. Auf dem Papier ist seither eine Berliner GmbH die Besitzerin, die wiederum von einer Schweizer AG kontrolliert wird. Die AG gibt als Unternehmenszweck an, im In- und Ausland Grundeigentum zu erwerben und zu verwalten. Ansässig ist diese AG bei einem Treuhandunternehmen im Kanton Nidwalden.

Kurz vor der Insolvenz zahlte FlexStrom sechs Millionen Euro auf Mundts privates Konto

Vertreten wird die Villa-GmbH von dem Anwalt Ben Irle. Er gibt an, dass seine Mandantin nicht in Kontakt zu Robert Mundt stehe. Irle teilt mit, es habe keine Durchsuchung der Immobilie gegeben. Daher könne "Herr Robert Mundt [...] auch nicht im Zuge der Durchsuchung in den Räumlichkeiten unserer Mandantin angetroffen worden sein".

Bereits nach Gerichtsverhandlungen und einem Urteil im Jahr 2015 hatte Ex-CEO Mundt zugestimmt, sechs Millionen Euro an den Insolvenzverwalter zurückzuzahlen. Das Geld war kurz vor der Insolvenzanmeldung von FlexStrom im Zuge eines internen Deals auf Mundts Konto geflossen. Nach seinem Zugeständnis aber zog Mundt unvermittelt nach England. Dort meldete er Privatinsolvenz an. Der Unternehmer schien zu hoffen, so die Millionenschulden loszuwerden.


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Das scheint aber nicht völlig gelungen zu sein: So soll Mundt in England bei seinem Privatinsolvenzverfahren lediglich einen Teil der Millionenschuld angegeben haben, heißt es. Von etwa 3,8 Millionen Euro sei er nicht befreit worden. Robert Mundts Anwalt Carsten Wegner kommentiert das auf Nachfrage nicht im Detail und schreibt, es sei ihm nicht bekannt, "dass ein unternehmensbezogener Insolvenzverwalter nach dem abgeschlossenen individuellen Insolvenzverfahren des Herrn Mundt (privat) noch Forderungen gegen diesen aus Aussachverhalten hätte beziehungsweise durchsetzen könnte".

Privatinsolvenz in London angemeldet

Bei White & Case soll man hoffen, Mundts Restschuldbefreiung aus London ganz aufheben zu können. Erkenntnisse der Hausdurchsuchung sollen demnach dabei helfen: Wenn ein Schuldner falsche Angaben über sein Vermögen oder den hauptsächlichen Aufenthaltsort macht, kann ein solches Vorhaben gelingen. Dann dürfte Schulte-Kaubrügger die gesamten sechs Millionen Euro von Mundt verlangen.

Rechtsanwalt Ben Irle gibt derweil an, der letzte Wohnsitz von Robert Mundt, den seine Mandantin - die Villa-GmbH - kenne, sei London. Wie Registereinträge zeigen, hat sich Mundt dort bei seiner Privatinsolvenzanmeldung 2016 in einer interessanten Nachbarschaft eingemietet. Nicht nur liegt seine Wohnung gerade einmal anderthalb Kilometer vom City Airport entfernt.

Auch haben sich zwischen 2015 und 2018 gleich sechs weitere Privatinsolvenzler aus Deutschland oder mit deutschem Namen in dem Apartmentblock eingemietet. Nicht so illuster wie die Villenlandschaft im Westen Berlins, dafür immerhin unter Gleichgesinnten.

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