13.02.2018  Interesse an Stromnetz

Wie China auf kritische deutsche Infrastruktur zugreift

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Stromnetz-Arbeiten in Chuzhou, China
REUTERS
Stromnetz-Arbeiten in Chuzhou, China

2. Teil: Was macht 50Hertz für SGCC attraktiv?

Grundsätzlich birgt eine Investition in einen deutschen Netzbetreiber ein geringes Risiko. Das Geschäft ist exakt reguliert. Unternehmen lassen sich ihre Investitionen in Stromnetze und andere Anlagen zu staatlich festgelegten Konditionen vergüten und verzinsen. Für Neuanlagen gibt es 6,91 Prozent Eigenkapitalverzinsung, bei Bestandsanlagen werden 5,12 Prozent fällig. Von "staatlich garantierten Traumrenditen" spricht der Stromanbieter Lichtblick, der an einem Verfahren gegen die Konditionen beteiligt ist.

Im Fall SGCC kommt hinzu, dass das Unternehmen in der chinesischen Heimat mit ähnlichen Herausforderungen zu kämpfen hat wie 50Hertz und von dem deutschen Unternehmen lernen könnte. 50Hertz - tätig in Ostdeutschland und Hamburg - muss enorme Mengen schwankenden Windstroms ins Netz integrieren und agiert dabei recht erfolgreich. In China warten Windparks hingegen oft extrem lange, bis ein Anschluss ans Stromnetz möglich ist.

Auch geopolitische Interesse von SGCC und der chinesischen Führung dürften eine Rolle spielen. Die Volksrepublik treibt den Bau einer neuen Seidenstraße voran. Gemeint sind Trassen verschiedener Art, die der Wirtschaft nützen - Pipelines, Straßen, aber auch Stromleitungen. Neuartige Hochleistungsnetze ermöglichen es sogar theoretisch, den chinesischen mit dem europäischen Strommarkt zu verbinden. SGCC ist bereits an den Stromnetzen von Portugal, Italien und Griechenland beteiligt.

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