02.05.2018  Aus für Mercedes-Hausbatterien

Daimler scheitert bei Speichern an Tesla und Co.

Von Nils-Viktor Sorge
Daimler-Chef Dieter Zetsche, Mercedes-Energiespeicher
[M] Daimler
Daimler-Chef Dieter Zetsche, Mercedes-Energiespeicher

Daimler gibt die Produktion von Hausbatterien auf: Knapp zwei Jahre nachdem der Autobauer den Angriff auf Tesla, Sonnen, Varta und andere Hersteller in diesem Segment bekannt gab, stellt der Konzern den Vertrieb der selbst entwickelten Geräte wieder ein, bestätigte eine Daimler-Sprecherin gegenüber manager-magazin.de. Zunächst hatte der Branchendienst "Greentechmedia" darüber berichtet.

Das Unternehmen habe das Segment evaluiert und beschlossen, in Zukunft keine Heimspeicher mehr herzustellen. Demnach lohnt es sich für das Unternehmen offenbar nicht, Batterien, die eigentlich für Elektroautos konzipiert sind, als Kellerakku einzusetzen.

"Sie sind technisch überfrachtet", sagte die Sprecherin. "Es ist nicht nötig, eine Elektroautobatterie im Keller zu haben. Sie wird dort nicht bewegt, und es friert dort nicht."

Zwar seien zwischen automobilen und stationären Batteriesystem verschiedene Synergieeffekte erkennbar. Doch auch mittel- und langfristig werde "die Wirtschaftlichkeit von Heimenergiespeichern auf Basis automobiler Batteriesysteme nicht gegeben sein", ließ Daimler manager-magazin.de wissen.

Ursprünglich hatte Daimler geplant, in seiner sächsischen Batteriemodulfabrik je nach Nachfrage wechselweise Auto- und Hausbatterien zu produzieren. Der verschärfte Preiskampf um Heimspeicher macht dem Konzern nun aber offenbar einen Strich durch die Rechnung.

Andere Hersteller wie Sonnen oder Solarwatt haben schon länger Konsequenzen daraus gezogen, dass stationäre Speicher andere Anforderungen haben als Autobatterien. Sie haben die Zellchemie und Konfiguration auf gleichmäßige Lade- und Entladevorgänge optimiert und damit die Produktion auch verbilligt.

Auch Tesla hatte zunächst stark auf Synergien mit Elektroauto-Batterien gesetzt und damit Schiffbruch erlitten. Die von Elon Musk geführte Firma schwenkte aber um und steckt viel Geld in eine weitgehend separate Hausspeicher-Produktion in der Gigafactory. Diesen Aufwand scheut Daimler nun, nachdem das Unternehmen noch vor einem Jahr zum Angriff auf Tesla geblasen hatte.

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Hausbesitzer stellen sich zunehmend Batterien in den Keller, um beispielsweise Strom von der eigenen Solaranlage zu speichern. Dann können sie ihn auch nachts und bei bewölktem Wetter verbrauchen.

Das spart in vielen Fällen Geld: Denn Strom aus neuen Photovoltaikanlagen kostet umgerechnet oft nur etwa 10-12 Cent pro Kilowattstunde. Versorger verlangen mindestens 25 Cent. Die Rechnung geht tendenziell immer häufiger auf, da Batterien günstiger werden und Strom sich mit einigen Geräten für unter 10 Cent pro Kilowattstunde speichern lässt.

Ganz will sich Daimler laut der Sprecherin aber nicht aus dem Geschäft mit stationären Speichern verabschieden. Das Unternehmen werde aber ausschließlich Speicher entwickeln und aufbauen, die Stromnetze unterstützen und dabei zum Beispiel auf ausrangierte Elektroauto-Akkus setzen.

Zudem will Daimler Heimspeicher von Kooperationspartnern vertreiben. Um welche Fabrikate es sich handelt, ließ die Unternehmenssprecherin jedoch offen.

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