08.02.2018  Wunderdiesel-Produktion in Kanada gestartet

Öl aus Luft - mit dieser Mauer greift Bill Gates die Saudis an

Von Nils-Viktor Sorge
Kohlendioxid-Sauger von Carbon Engineering in British Columibia
youtube/CarbonEngineering
Kohlendioxid-Sauger von Carbon Engineering in British Columibia

Microsoft-Gründer Bill Gates setzt sich auch nach seinem Ausstieg aus der operativen Unternehmensführung große Ziele. So will er Malaria, Kinderlähmung und andere Krankheiten besiegen, die Landwirtschaft mithilfe der Gentechnik revolutionieren sowie mit Mini-Atomkraftwerken die Energieprobleme der Welt lösen.

Immer wieder hat Gates sich auch dem Klimawandel gewidmet. Auch auf diesen zielt sein Investment beim kanadischen Unternehmen Carbon Engineering ab, das derzeit an Fahrt gewinnt.

Die Firma hat sich darauf spezialisiert, das Treibhausgas Kohlendioxid aus der Luft abzuscheiden und hat dazu eine brachiale Mauer in einem Industriegebiet in British Columbia errichtet, bestehend aus Dutzenden CO2-Saugern. Mit an Bord: Harvard-Physiker David Keith und Ölsand-Tycoon Norman Murray Edwards.

Bill Gates
AP
Bill Gates

Für lange Zeit absorbierten die Maschinen lediglich das Klimagas, ohne dass es sinnvoll verwendet wurde, doch seit ein paar Wochen stellt die Anlage - erweitert um die erforderlichen Geräte - eine durchsichtige Flüssigkeit her, die es in sich hat. Es handelt es sich um eine Mischung aus Benzin und Diesel, verwendbar in Millionen Motoren, die derzeit noch mit Sprit aus Rohöl betrieben werden.

Die Idee ist nicht neu, auch das Dresdner Unternehmen Sunfire, Investoren in Norwegen und der Autohersteller Audi beschäftigen sich intensiv mit der Wunderdiesel-Produktion. Spannend wird nun, wer dabei am schnellsten vorankommt. Für die Kanadier spricht unter anderem die potente Riege der Unterstützer um Gates.

Ein langer Atem ist in jedem Fall gefragt - derzeit ist das Produkt wirtschaftlich noch nicht konkurrenzfähig mit herkömmlichen Treibstoffen. Die Herstellung ist kostspielig, spürbare Skaleneffekte sind noch nicht erreicht. Zudem kämpft das Verfahren mit erheblichen Effizienzproblemen.

Der Charme besteht auf der anderen Seite darin, dass der nahezu klimaneutrale Treibstoff verwendet werden kann wie herkömmlicher Sprit. Eine komplett neue Infrastruktur wie bei batterieelektrischen oder mit Wasserstoff betriebenen Fahrzeugen ist nicht erforderlich.

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Die Wunderdiesel-Branche schielt in Europa wegen der zahlreichen Startprobleme auf staatliche Starthilfe - zum Beispiel in Form von Beimischungs-Quoten für Sprit. Am elegantesten fänden viele Unternehmen die indirekte Unterstützung über eine Kohlendioxid-Steuer oder spürbare CO2-Preise im Rahmen eines Emissionshandels.

Wenn dann noch der Ölpreis steigt - so die Kalkulation - müssen klassische Ölstaaten wie Saudi-Arabien oder Russland die neue Konkurrenz fürchten. Bis dahin muss Bill Gates allerdings wohl noch etwas Geduld mitbringen.

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