05.04.2017  Verkehrte Energie-Welt in den USA

Kohleindustrie warnt Trump vor Ausstieg aus Pariser Klima-Pakt

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Kohlekraftwerk im Washingtoner Regierungsbezirk
dpa
Kohlekraftwerk im Washingtoner Regierungsbezirk

Verkehrte Energie-Welt in den USA: Nun verlangt auch die Kohleindustrie, dass die von Präsident Donald Trump geführte Regierung dem Pariser Klimaschutz-Abkommen treu bleibt. Zuvor hatte sich bereits Ölgigant ExxonMobil dafür ausgesprochen.

Unternehmen wie Peabody und Cloud Peak Energy wollen auf diese Weise nach eigenen Angaben verhindern, dass die Staatengemeinschaft ohne die USA am Tisch einen strikten Anti-Kohle-Kurs vereinbart. Ziel sei "ein ausgewogener, vernünftiger und angemessener Umgang" mit fossilen Brennstoffen, bestätigte Cloud-Peak-Manager Richard Reavey Recherchen der Nachrichtenagentur Reuters.

Dahinter verbirgt sich faktisch der Wunsch nach Subventionen und gesetzlichem Schutz für einen Energieträger, der weltweit zunehmend ins Abseits gerät. Konkret versprechen sich die Unternehmen ausgerechnet vom Klimaschutzabkommen Rückenwind für neue Kraftwerke. Begründung: Diese seien etwas weniger klimaschädlich als alte.

Dafür solle es weiterhin Unterstützung von der Weltbank geben. Auch das extrem teure Abscheiden und Lagern von Kohlendioxid solle durch internationale Verhandlungen wieder auf die Tagesordnung kommen.

Die Vereinigten Staaten haben sich in Paris unter anderem dazu verpflichtet, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2025 um 26 bis 28 Prozent zu senken. Vergleichsjahr ist 2005. Einen Großteils dieses Ziels haben die USA aber bereits erreicht. Dies zum einen, weil billiges Erdgas die Kohle in der Stromerzeugung verdrängt. Steueranreize und gesunkene Preise haben zudem einen Boom bei Wind- und Solarenergie ausgelöst.

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Diese zum Großteil marktgetriebene, rasche Wende hin zu saubereren Energieträgern verunsichert Teile der Kohle- und Ölindustrie offensichtlich zutiefst. Manchem Manager ist der geordnete und langsame Rückzug am Verhandlungstisch da genehmer.

Wie prekär die Lage der US-Kohleindustrie trotz Trumps Wahlsieg ist, verdeutlicht auch eine Reuters-Umfrage unter 32 Energieversorgern. Demnach will die Mehrheit von ihnen die langjährige Abkehr von der Kohle fortsetzen, weil Gas und erneuerbare Energien inzwischen billiger seien.

Zudem ziehen sich große Investoren wie der norwegische Staatsfonds aus Versorgern zurück, die weiter auf die klimaschädliche Kohle setzen. Unsicher sei auch, wie lange die gegenwärtige Regierungspolitik überhaupt Bestand haben werde.

mit rtr

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