28.03.2017  US-Präsident setzt auf Kohle

Der energiepolitische Amoklauf des Donald Trump

Ein Kommentar von
Donald Trump bei einem Wahlkampf-Auftritt vor Kohle-Arbeitern in West Virginia
AFP
Donald Trump bei einem Wahlkampf-Auftritt vor Kohle-Arbeitern in West Virginia

Für seine ambitionierte Energiewende ist Deutschland lange belächelt worden. Kein anderes Land gehe diesen Weg mit hohen Ökostrom-Subventionen und Atomausstieg, monierten Fachleute und Politiker im In- und Ausland. Nicht ganz zu Unrecht: Tatsächlich sucht die mal überstürzt, mal verschwenderisch, jedenfalls stets mit glühendem Eifer umgesetzte Transformation weltweit ihres Gleichen - im Positiven wie im Negativen.

Sechs Jahre nach dem Reaktorunfall von Fukushima ist heute allerdings nicht Deutschland weltweit der Sonderling Nummer eins auf dem Gebiet. Diese Rolle erobern sich zunehmend die USA. Dort setzt Präsident Donald Trump zu einem energiepolitischen Amoklauf an, der von Gefühlen, Machtkalkül und alternativen Fakten geprägt ist. Kommt Trump damit durch, dürften den größten Schaden- außer dem Weltklima - die Vereinigten Staaten selber nehmen.

Unter Trump sollen die Vereinigten Staaten eine fulminante Rolle rückwärts vollziehen: Freie Bahn für Ölbohrungen, weniger Beschränkungen für Fracker und Autobauer, und nicht zuletzt eine Renaissance für die Kohle wünscht sich der US-Milliardär. Dies sehr zur Freude zahlloser Funktionäre in pseudowissenschaftlichen Instituten und der republikanischen Partei, die den seit mehr als 100 Jahre bekannten Treibhauseffekt der Einfachheit halber schlicht leugnen - wie es der Präsident selbst auch lange selbst getan hat.

Die Umweltbewegung sei "die größte Bedrohung für Freiheit und Fortschritt in der modernen Welt", gab Trumps Beauftragter für die Neuausrichtung der Umweltbehörde EPA, Myron Ebell, aggressiv den Ton vor. Der Lobbyist des regulierungsfeindlichen Competitive Enterprise Institute (CEI) ist nur einer von zahlreichen Männern um Trump, die es satt sind, dass unter Barack Obama zunehmend Klima- und andere Wissenschaftler anstatt Firmen aus der fossilen Brennstoff-Industrie den energiepolitischen Kurs prägten. Letztere gehören nicht zufällig zu den größten Spendern dieser so genannten Think Tanks.

Maximale Bereicherung statt Klimaschutz

Den Energie-Ideologen ganz alten Schlags geht es offenbar um maximale Bereicherung - und nicht darum, dass die USA ein zukunftstaugliches Energie-System bekommen. Es geht ihnen auch nicht um weniger Regulierung und das freie Spiel der Marktkräfte.

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Andernfalls hätten Trumps Einflüsterer den jüngsten Vorschlag aus den Reihen einiger verdienter Republikaner zumindest ernsthaft geprüft: Die Gruppe um den ehemaligen Außenminister George P. Shultz hatte für eine aufkommensneutrale Kohlendioxid-Steuer plädiert. Diese hätte viele der verhassten Klimagesetze tatsächlich überflüssig gemacht - es wäre dem Markt überlassen gewesen, welche saubere Technologie sich durchsetzt. So geht schlanker Staat. Doch Trump und seine Truppe bleiben lieber Teil eines fortschrittsfeindlichen (Anti-) Ökosystems, das in einer energiepolitischen Parallelwelt lebt.

Vor allem der Kreuzzug für die Kohle entbehrt jeder ökonomischen Grundlage. Elektrizität aus diesem besonders klimaschädlichen Energieträger ist inzwischen teurer als Solar- oder Windenergie, auch abzüglich aller Öko-Subventionen. Und die trägen fossilen Kraftwerke rechnen sich auch nur, wenn sie die meiste Zeit laufen. Angesichts der zunehmenden Verbreitung erneuerbarer Energien und billigen Erdgases ist das ein unerfüllbarer Wunschtraum.

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