15.03.2017  Australien schreibt Speicher-Auftrag aus

Rivale zu Musks irrer 200-Millionen-Wette: Wir sind schneller

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"Schaffen wir in 100 Tagen oder es ist gratis" - Tesla-Chef Elon Musk
AP
"Schaffen wir in 100 Tagen oder es ist gratis" - Tesla-Chef Elon Musk

Mit seiner 200-Millionen-Wette um eine Batteriefarm in Südaustralien hat Tesla-Chef Elon Musk erste Teilerfolge erzielt: Sowohl Australiens Premierminister Malcolm Turnbull wie auch Südaustraliens Regierungschef Jay Weatherill haben in den vergangenen Tagen das Gespräch mit dem Milliardär gesucht.

Die Regierung des Bundesstaates hat zudem bekanntgegeben, mehr als 500 Millionen australische Dollar in zwei neue Energieprojekte zu investieren - 150 Millionen Dollar davon sollen in einen Fonds fließen, der die von Musk vorgeschlagene Batteriefarm finanzieren soll.

360 Millionen australische Dollar seien für ein neues Gaskraftwerk vorgesehen: "Wir glauben, dass ein sicheres Energiesystem mehrere Quellen haben sollte", zitiert der australische TV-Sender ABC den südaustralischen Premier Jay Weatherill. Das Gaskraftwerk solle in Notfallsituationen hochgefahren werden, sagte Energieminister Tom Koutsantonis; Südaustralien hatte in den vergangenen Monaten unter Stromausfällen gelitten, die auch die Wirtschaft des Bundesstaates in Mitleidenschaft gezogen hatten.

Die neue Initiative habe man ohnehin in der Tasche gehabt - dass sie kurz nach Elon Musks Vorpreschen vorgestellt worden sei, sei ein "glücklicher Zufall".

Im Video: Elon Musk verstehen in 60 Sekunden

Der Tesla-Chef und sein Cousin Lyndon Rive hatten in einer australischen Zeitung beziehungsweise bei Twitter für eine Batteriefarm geworben. Musk hatte sich zu der öffentlichkeitswirksamen Wette hinreißen lassen, sein Unternehmen werde den Speicherpark in 100 Tagen hochziehen, andernfalls koste er das Land nichts.

Gewonnen hat er diese allerdings noch nicht: "Rivalen crashen Teslas Party", titelte etwa die"Australian Financial Review" schon am Wochenende, als andere Hersteller auf den von Musk und Rive gestarteten Zug aufsprangen. Zen Energy, ein Unternehmen aus der regionalen Hauptstadt Adelaide, sei laut eigener Aussage bereit, eine ähnlich potente Speicheranlage herzustellen - für nur 100 Millionen australischer Dollar. Auch andere australische Anbieter sind laut "ABC" überzeugt, mindestens genauso schnell wie Tesla eine Anlage hochziehen zu können.

Dass Elon Musk, Zen Energy und andere überhaupt ein Millionengeschäft in Südaustralien wittern können, hängt mit der besonderen Situation des Bundesstaats innerhalb Australiens zusammen: Eigentlich dominieren Kohlekraftwerke die Energieversorgung des Landes - der südliche Bundesstaat bezieht hingegen etwa 40 Prozent seines Stroms aus Windkraft. Ein großer Batteriepark soll die Versorgung unabhängiger von der jeweiligen Wetterlage machen.

Der sozialdemokratische Regierungschef der Region will diesen Kurs beibehalten - auch wenn der konservative Staatschef Malcolm Turnbull zuletzt auf mehr Kohlestrom drängte und sein Energieminister Josh Frydenberg den Plan als "550 Millionen Dollar schweres Eingeständnis des Scheiterns" geißelte.

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