23.03.2018  Einstieg bei 50Hertz mit Berlins Hilfe verhindert

Chinesen kommen beim deutschen Stromnetz nicht zum Zug

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Doch kein Zugriff: Chinesische Investoren bleiben beim deutschen Stromnetz weiter außen vor
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Doch kein Zugriff: Chinesische Investoren bleiben beim deutschen Stromnetz weiter außen vor

Die chinesische State Grid hatte den Netzbetreiber 50Hertz schon fest fixiert. Doch jetzt wird es nichts mit dem Einstieg ins deutsche Stromnetz, der belgische Mehrheitseigner stockt seinen Anteil auf. Offenbar hatte auch die Bundesregierung ihre Finger mit im Spiel und verhinderte so den Zugriff eines chinesischen Staatskonzerns auf eine empfindliche Infrastruktur in Deutschland.

Kuka, Daimler, Deutsche Bank - Beteiligungen an deutschen Unternehmen sind für viele chinesische Investoren hochinteressant. Nicht selten ist es vor allem das Knowhow deutscher Firmen, auf das es die milliardenschweren Investoren aus dem Reich der Mitte abgesehen haben.

Handelt es sich um führende Schlüsseltechnologie wie beim Roboterbauer Kuka, sind die Bedenken in der Politik zumeist groß. Nicht zuletzt auch deshalb, weil umgekehrt deutsche Konzerne nur über ein Joint Venture in China Fuß fassen können, Übernahmen sind ausgeschlossen. Trotzdem durfte letztlich die chinesische Midea den deutschen Spezialisten von Weltgeltung schlucken.

Als zuletzt das Gerücht aufkam, der chinesische Staatskonzern SGCC, der Netzbetreiber State Grid Corporation of China, wolle über 50Hertz ins deutsche Stromnetz einsteigen, wurden ebenfalls große Bedenken laut: Schließlich handelt es sich dabei um sensible Infrastruktur, deren einwandfreies Funktionieren für die deutsche Wirtschaft und deutsche Verbraucher von großer Bedeutung ist.

Zugleich müssen die Übertragungsnetzbetreiber mit milliardenhohen Investitionen ins Hochspannungsnetz dafür sorgen, dass ausreichend "grüner" Strom ins Netz eingespeist und von Nord- nach Süddeutschland transportiert werden kann - sie zeichnen also für den Erfolg der politisch gewollten Energiewende mit verantwortlich.

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Doch diesmal kommen die Chinesen nicht zum Zuge: Der belgische Stromnetzbetreiber Elia, der bereits 60 Prozent an der Muttergesellschaft des norddeutschen Netzbetreibers 50Hertz hält, löst sein Vorkaufsrecht ein und stockt damit seien Anteil an 50Hertz auf 80 Prozent auf. Damit entgeht den Chinesen lukratives Geschäft, denn den Betreibern der Strom- und Gasnetze in Deutschland sind durch die Bundesnetzagentur Renditen zwischen 7 und 9 Prozent auf das eingesetzte Eigenkapital garantiert.

Mit einer Netzlänge von 10.000 Kilometer über mehr als 100.000 Quadratkilometer verteilt zählt 50Hertz zu den vier größten Übertragungsnetzbetreibern in Deutschland. Gut 18 Millionen Kunden sind an das Netz angeschlossen.

Vor diesem Hintergrund wird verständlich, dass sich die Bundesregierung offenbar in den Deal eingemischt hat. Laut "Handelsblatt" habe das Bundeswirtschaftsministerium den belgischen Mehrheitsgesellschafter dazu bewegen können, seinen Anteil an 50Hertz weiter aufzustocken.

Das 20-Prozent-Paket war freigeworden, weil der australische Fonds IFM seinen Anteil bei 50Hertz halbiert hat. Elia wird für das Paket nach eigenen Angaben rund 977 Millionen Euro zahlen. IFM wird einen Restanteil von 20 Prozent behalten. Der Fonds und die Belgier hatten das Unternehmen im Jahr 2010 von der schwedischen Vattenfall gekauft.

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