18.01.2018  Dreistellige Millionenverluste

Wie US-Banken sich an Steinhoff die Finger verbrannten

Von
Steinhoff: Zahlreiche Banken vom Absturz betroffen
DPA
Steinhoff: Zahlreiche Banken vom Absturz betroffen

Einmalige Verluste wegen der US-Steuerreform haben dafür gesorgt, dass sich der Gewinn der Bank of America im vierten Quartal etwa halbiert hat. Doch dies war nicht die einzige Belastung für die US-Großbank: Die BoA gehört zu einer ganzen Reihe von US-Großbanken, die wegen ihrer Verbindungen zur Steinhoff-Gruppe im abgelaufenen Quartal zum Teil dreistellige Millionenverluste verbucht haben.

Die Gewinne der Bank of America würden durch eine offene Forderung in Höhe von 292 Millionen Dollar belastet, teilte die US-Bank am Mittwoch im Zuge ihres Quartalsberichts mit. Wer mit dieser Forderung in Verbindung steht, wurde nicht offiziell genannt - Banken reden nicht über ihre Kundenbeziehungen. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg hat die Bank of America jedoch Steinhoff-Hauptaktionär Christo Wiese einen Kredit gewährt, der mit Aktien der Steinhoff-Gruppe abgesichert wurde.

Die Aktien von Steinhoff haben seit Anfang Dezember mehr als 90 Prozent ihres Wertes verloren. Der Crash der Aktie hat aber offenbar nicht nur die Bank of America , sondern auch weitere prominente US-Banken in Mitleidenschaft gezogen.

Steinhoff selbst beziffert seine Verbindlichkeiten aktuell auf rund 13 Milliarden Dollar. Zu den Kreditgebern der Steinhoff-Gruppe zählt auch JP Morgan Chase: Marianne Lake, Finanzvorstand bei JPMorgan Chase , teilte mit, dass die Bank im vierten Quartal 130 Millionen Dollar Kreditkosten in Zusammenhang mit Steinhoff verbucht habe. Zusätzlich habe die Eigenhandels-Abteilung der Bank einen Verlust aus dem Handel mit Steinhoff-Aktien in Höhe von rund 140 Millionen Dollar erlitten.

Lesen Sie auch: Diese Frau soll hinter den Steinhoff-Patriarchen aufräumen

Auch die Citigroup musste offenbar Federn lassen. Citi-Finanzvorstand John Gerpach sprach in dieser Woche bei der Präsentation der Quartalszahlen von einem "Fall mit einem einzelnen Kunden", der in der Aktien-Handelsabteilung für einen Verlust von rund 130 Millionen Dollar in Zusammenhang mit Derivat-Geschäften gesorgt habe. Nach Angaben eines Insiders soll es sich dabei ebenfalls um Steinhoff handeln, wie Bloomberg weiter berichtet. Ob auch Branchenprimus Goldman Sachs vom Fall Steinhoff betroffen ist, ging aus dem Quartalsbericht der Bank zunächst nicht hervor.

Mögliche Finanzspritze lässt Steinhoff-Aktie steigen

Ein Bericht über eine mögliche Finanzspritze hat unterdessen dem angeschlagenen Möbelkonzern Steinhoff am Mittwochnachmittag deutliche Kursgewinne beschert. Die Aktie sprang bis auf 0,445 Euro hoch - zuletzt stand noch ein Plus von knapp 12 Prozent auf 0,438 Euro zu Buche.

Seit Bekanntwerden eines Bilanzskandals Anfang Dezember war sie von mehr als 3 Euro bis auf 0,248 Euro abgestürzt und konnte sich davon nicht wieder nachhaltig erholen.

Schon in Kürze könnten südafrikanische Banken der Afrika-Tochter des multinationalen Unternehmens eine rund 200 Millionen Euro umfassende Brückenfinanzierung gewähren, schrieb das Magazin "Finance" unter Berufung auf mehrere unabhängige, mit dem Fall betraute Quellen. Im Anschluss würde dieses Geld dann an die Steinhoff Europe transferiert. Steinhoff habe sich zu konkreten Fragen nicht äußern wollen und auf bereits veröffentlichte Pressemitteilungen des Konzerns verwiesen, hieß es weiter.

Der Konzern mit Rechtssitz in den Niederlanden und operativer Zentrale in Südafrika hat deutsche Wurzeln und ist hierzulande vor allem mit dem Möbelhändler Poco vertreten.

Mehr zum Thema