14.09.2018 
Hilfe vom Motivations-Guru

Führt dieser Mann Deutsche Bank und CoBa aus dem Jammertal?

Eine Satire von
(Sonst immer) Guru-Lächeln wie in Stein gemeißelt: Groß-Motivator Jürgen Höller
DPA
(Sonst immer) Guru-Lächeln wie in Stein gemeißelt: Groß-Motivator Jürgen Höller

3. Teil: Amtshilfe von der Automobilindustrie

Höller klaubt ein Dossier mit der Aufschrift "VDA" aus seinem Dokumentenkoffer: "So, bitte aufmerksam lesen! Es handelt sich sozusagen um eine Amtshilfe der Automobilindustrie. Hier könnte Ihr studieren, wie man es anstellt, Berlin jahrzehntelang um den kleinen Verteilerfinger zu wickeln." Höller findet, er laufe gerade zu Hochform auf, sagt zu sich: "Ich lebe in Heiterkeit, Freude und Leichtigkeit." Drei Mal natürlich, sonst wirkt es nicht.

Christian und Martin sind nach dem Aktenstudium allerdings wieder voll depri: "Wir sind schon aus dem Dax respektive EuroStoxx geflogen. Was, wenn unsere Börsenkurse weiter abfallen?"

Höller: "Dann macht Ihr halt Euren eigenen Index auf - Ihr seid schließlich die Master of the Universe!"

Christian: "Aber selbst ein Egozentriker-Club wie der DFB tritt neuerdings etwas, er zögert… demütiger auf."

Huuh, DeeEffBee…Martin erinnert sich mit Grauen an das Sponsoring der Fußball-Nationalmannschaft, überlegt, es künftig vielleicht mit der werblichen Begleitung des Ruderwesens zu versuchen. "Man sieht zwar nicht, wohin man steuert. Aber: Hauptsache, man bleibt über Wasser…". So ähnlich könne er sich das Marketingkonzept vorstellen. Was die Schwere der Mutlosigkeit so alles an Ideen hervorbringt…

Christian und Martin, leicht weinerlich: "Keiner mag uns, keiner schätzt uns…" Christian erinnert daran, dass ein chinesischer Großaktionär seinem Institut gerade abhandenkommt. Am Ende bleibe einem nichts anderes übrig, als sich zusammenzutun. Gemeinsam lässt sich der Blues ohnehin leichter ertragen.

Höller, zunehmend genervt, leert seinen Aktenkoffer auf dem Tisch aus, findet schließlich einen Zeitungsausschnitt und liest vor: "In Schleswig-Holstein wollten Kriminelle einen Geldautomaten der Deutschen Bank mit einer Sprengladung knacken. Aber das Gerät ließ sich nicht öffnen… Was lehrt uns das? Erstens ist es ein Zeichen von, ja sagen wir es ruhig… Wertschätzung. Und zweitens beweist es doch, wie sicher die Einlagen der Bank selbst unter größtem anzunehmenden Stresstest sind."

Christian und Martin: "Jaaa! Jaaa! Jaaa!"

Höller, mit sich zufrieden: "Na also, geht doch! Und jetzt noch drei Mal: High Five. Und: Ich schaffe das!"

Aber schaffen sie es wirklich? Bald schon sind der aufkeimende Optimismus und die Steigerung des Selbstwertgefühls wieder verflogen. Christian und Martin: "Was nur, wenn der nächste Abschwung kommt?" Beide erinnern an eine jüngste Studie, nach der die Amtszeit deutscher CEO so gering ist wie seit Jahren nicht.

Höller grübelt kurz, verfällt dann auf die bewährte Psychocoach-Taktik: vermeintlicher Rückzug, aber dennoch offensiv und fordernd bleiben: "Okay Leute, vielleicht habe ich Euch überfordert. Wir lassen das mit dem Master of the Universe. Die neue Vorgabe: Ihr seid die Piraten der Karibik. Captain Jack Sparrow ist immer gut drauf, segelt wie im Rausch traumwandlerisch über die Weltmeere und hat selbst vor Zombie-Banken keine Angst."

Christian und Martin nicken begeistert. Höller schließt die Sitzung und weist auf den nächsten Termin hin, den Power-Day: ein Besuch in der Höhle der Löwen. Arbeitsauftrag im Sinne des mentalen Upgrading: Carsten Maschmeyer (Standardspruch: "Die Nische ist mir zu klein") Millionen aus dem Kreuz leiern. Höller: "Wer das schafft, den wirft so leicht nichts mehr um, dessen Geschäftsmodell hat sich als grundsolide und zukunftstauglich erwiesen."

Puh, hat am Ende doch ganz gut angeschlagen, seine Nachhilfe in Siegesgewissheit, denkt Höller: "Und: Seid Ihr im Flow? Fühlt Ihr Euch fitter fürs Haifischbecken?"

Martin, tatsächlich extrem im Flow, berichtet euphorisiert von neuesten ozeanologischen Forschungen, denen zufolge der Schaufelnasen-Hammerhai auch als Pflanzenfresser identifiziert worden sei. Das sei doch sehr ermutigend, ja eine pazifistische Umwidmung des Haifischbeckens kündige sich an: "Wir sind alle eine große, friedliebende Finanzgemeinde."

Gibt's ja nicht, diese Weichspüler! Höller hat die Schaufelnase gestrichen voll. Er lockert die Krawatte, das Einstecktuch ist im autosuggestiven Überschwang irgendwo verloren gegangen. Der Lebensenergieapostel wirkt ausgelaugt, kann sich nur noch zu einem letzten Dreiklang wider die vegetarisch-harmonische Gesamtaura aufraffen: "Und jetzt alle zusammen: Wir mögen es blutig! Blutig! Blutig!"

3 | 3

Mehr zum Thema