01.02.2018  Ebay wählt Adyen als Zahlungsabwickler

Paypals Dominanz im digitalen Bezahlen bröckelt

Von
Paypal-Chef Dan Schulman
REUTERS
Paypal-Chef Dan Schulman

Der Schritt hat Symbolkraft: Ebay löst seine Verbindung zu Paypal. Die frühere Konzernmutter, die den Bezahldienst einst groß gemacht hat und seit der Teilung des Konzerns 2015 gegen den eigenen Bedeutungsverlust kämpft, verstößt die frühere Tochter. Die Handelsplattform Ebay entscheidet sich stattdessen für die niederländische Firma Adyen als künftigen Partner für die Zahlungsabwicklung.

Die Paypal-Aktie fiel nach der Ankündigung trotz guter Quartalszahlen um rund 10 Prozent im vorbörslichen Handel am Donnerstag. Ebay hingegen verzeichnete 10 Prozent Kursplus.

Adyen soll die Rolle als Zahlungsabwickler Mitte 2020 übernehmen, wenn der Deal mit Paypal ausläuft. Verbraucher sollen weiterhin Paypal als Bezahl-Option nutzen können, mindestens bis 2023. Paypal ist sowohl als Bezahldienst für Konsumenten als auch als Zahlungsabwickler im Hintergrund aktiv.

Paypal-Chef Dan Shulman spielte vor Analysten die Auswirkungen der Entscheidung herunter. Ebay sei zwar ein wichtiger Kunde, aber das Geschäft mit anderen Unternehmen sei zuletzt viel schneller gewachsen. Der Verlust der Ebay-Erlöse werde "durchaus zu managen sein". Finanzchef John Rainey deutete zudem an, dass Paypal selbst angesichts unzureichender Profitabilität nicht an der Fortsetzung des Ebay-Deals interessiert gewesen sei. Paypal wird künftig auch als Bezahloption in Läden von Disney und bei der Teleshopping-Plattform QVC verfügbar sein.

Paypal hatte sich 2015 als eigenständiges Unternehmen von der langjährigen Konzernmutter abgespalten. Damals schon kam noch rund ein Viertel der Paypal-Erlöse von der Ebay-Plattform, inzwischen sind es nur noch 13 Prozent. Als unabhängiger Konzern arbeitet Paypal unter anderem mit Google, Apple, Mastercard und Visa zusammen. Der Bezahldienst ist auf einigen Millionen Websites eingebunden.

Als Pionier im digitalen Bezahlen hat sich Paypal eine dominante Stellung gesichert - bislang jedenfalls. Das schnell wachsende Geschäft erodiert die Marktanteile der Kreditkartenanbieter wie Visa oder Mastercard ebenso wie der klassischen Banken, die beispielsweise in Deutschland noch die meisten Online-Käufe über das SEPA-System abwickeln. Sie tun sich schwer damit, den Vorsprung von Paypal mit ihrer eigenen Alternative Paydirekt aufzuholen.

Ebays Entscheidung zeigt jedoch, dass auch Paypal im Verdrängungswettbewerb verlieren kann - und das nicht nur in China, wo das mobile Bezahlen dank der Dienste der örtlichen Internetkonzerne Alibaba und Tencent ein Vielfaches der Umsätze im Rest der Welt erreicht hat.

Adyen aus Amsterdam zählt zu den Fintech-Unternehmen, die ohne Börsengang bereits eine Milliardenbewertung durch private Kapitalgeber erreicht haben. Ähnlich wie US-Wettbewerber Stripe verzichten die Niederländer auf eigene Wallets, treten also gar nicht erst in den Wettbewerb um Endkunden. So kann Adyen mit einer Vielzahl von Zahlungsanbietern - wie beispielsweise Kreditkartenfirmen - kooperieren und im Hintergrund den Preis drücken. Als Großkunden hat Adyen vor Ebay bereits Facebook, Uber und Netflix gewonnen.

mit Material von dpa-afx und reuters

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