03.05.2018 
Martin Wittig steigt bei Bain & Company ein

Warum sich der Ex-Chef von Roland Berger dem Erzrivalen anschließt

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Martin Wittig (Archivbild aus November 2012)
imago/photothek
Martin Wittig (Archivbild aus November 2012)

Die Unternehmensberatung Bain & Company verpflichtet einen der prominentesten deutschen Top-Consultants. Martin Wittig, von 2010 bis 2013 Vorstandschef des Erzrivalen Roland Berger und dort lange Jahre eine der prägendsten Spitzenkräfte, wechselt nach Informationen von manager-magazin.de als Senior Advisor zum Erzrivalen. Der 54-Jährige soll rund die Hälfte seiner Arbeitszeit für Bain aufwenden und sich schwerpunktmäßig um Kunden aus der Bank- und Versicherungswirtschaft sowie den Schweizer Markt kümmern.

Die Personalie ist Ausdruck einer historischen Machtverschiebung im deutschen Beratermarkt. Lange Jahre war Roland Berger hinter McKinsey und Boston Consulting Group (BCG) mit Umsätzen von mehr als 500 Millionen Euro die klare Nummer drei in Deutschland - und beriet Großkonzerne bei Sparprogrammen oder der Umsetzung von Strategiewechseln. Zuletzt hatte sich allerdings die von Ex-BCG-Berater Walter Sinn geführte deutsche, stark zahlenanalytisch arbeitende Bain-Truppe in die Spitzengruppe geschoben. Im Herbst 2017 hatte Bain bereits den Auto-Experten Ralph Kalmbach angeheuert, der zuvor ebenfalls lange Jahre für Roland Berger gearbeitet hatte.

Mit Wittig stärkt Bain & Company sein Netzwerk in die Führungsgremien der deutschen und Schweizer Wirtschaft. Wittig, der stets tatkräftig auftritt, hatte bei Berger vor allem Konzerne aus der Luftfahrt, Logistik und Touristik beraten und die Schweizer Dependance des Beraters stark ausgebaut.

Unternehmensgründer Roland Berger, 80, selbst hatte den promovierten Bergbauingenieur jahrelang gefördert und zu einem seiner Kronprinzen aufgebaut. Auch mit Burkhard Schwenker, 60, ebenfalls lange Jahre CEO, hatte Wittig eng zusammengearbeitet. Gemeinsam hatten Schwenker und Wittig 2010 den Verkauf der Beratung an die Wirtschaftsprüfer von Deloitte vorbereitet, um die Angebotspalette zu erweitern und mit den weltweit agierenden Rivalen wie McKinsey und BCG mithalten zu können. Auf einem spektakulären Partnertreffen Ende 2010 in Frankfurt hatte dann Gründer Berger, der bis heute Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats ist, den Plan torpediert. 2013 trat Wittig von seinem Posten als CEO zurück, vor allem aus gesundheitlichen Gründen.

Seitdem hat er als Einzelunternehmer Firmen und Topmanager beraten, zudem arbeitet er als Aufsichtsrat, etwa des Frankfurter Ablegers der Schweizer Großbank UBS oder des Logistikers Kühne & Nagel International. Als eine mögliche Variante gilt, dass Wittig nach einigen Monaten komplett bei Bain & Company einsteigt, wenn sich die Zusammenarbeit bewährt.

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