15.05.2018 
Promi-Investor aus USA nennt Geldhaus "Problem-Bank"

Der Frankfurt-Plan des neuen Deutsche-Bank-Chefs

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Make friends: Christian Sewing (links) mit Finanzminister Olaf Scholz Mitte April.
J.Eigendorf, Deutsche Bank/Twitter
Make friends: Christian Sewing (links) mit Finanzminister Olaf Scholz Mitte April.

Pünktlich zur Hauptversammlung der Deutschen Bank am kommenden Donnerstag (24. Mai) zeigen Investoren wieder großes Interesse an Deutschlands sorgenvollstem Geldkonzern - aus Sicht des neuen Vorstandschefs Christian Sewing nur leider die falschen.

Zu Wochenbeginn meldete sich Steve Eisman zu Wort, der als einer der Ersten auf den Ausbruch der Finanzkrise gewettet und dadurch große Prominenz erlangt hatte. Der Star-Stratege des Vermögensverwalters Neuberger Berman stellte Deutschlands größtem Geldhaus ein vernichtendes Zeugnis aus: Die Deutsche Bank sei eine "Problem-Bank", sie habe "viel zu wenig in Technologie investiert", werde "dramatisch schrumpfen" müssen und brauche vermutlich im kommenden Jahr noch einmal neues Kapital. (Sehen Sie hier das Gespräch mit Eisman, die Aussagen zur Deutschen Bank folgen ab Minute 1:40.)

Für Fachleute ist ein solches Verdikt ein unmissverständliches Signal: Leute wie Eisman wetten auf einen Kursverfall, sie "shorten" die Aktie. Zu den aktivsten Short-Sellern der Deutsche-Bank-Aktie gehören derzeit die Groß-Investoren Bridgewater Associates oder AQR Capital Management, beide aus den USA.

Sehen Sie hier das mm-Erklärvideo: So funktioniert eine Short-Attacke (oder scrollen Sie weiter, um den Text weiterzulesen):

Ob die Bank tatsächlich bald frisches Kapital benötigt, ist von außen schwer zu beurteilen und hängt davon ab, wie teuer der Abbau von Geschäften und den diversen Beständen an Finanzinstrumenten tatsächlich wird. Aktuell ist die Kernkapitalquote (Tier 1) mit 13,4 Prozent komfortabel.

Für seinen angekündigten Schrumpf- und Sparkurs immerhin bemüht sich Sewing vor seinem ersten großen öffentlichen Auftritt auf der Hauptversammlung rasch ein paar Belege zu liefern. Die Zahl der Gehaltsempfänger auf der zweiten Führungsebene in den beiden großen Einheiten Unternehmens- und Investmentbank sowie Privatkundenbank reduzierte er von 32 respektive 24 auf 20 beziehungsweise 16 Personen - eine Verkleinerung von jeweils einem Drittel. Das entlastet die Personalkosten zwar nur marginal, ist aber immerhin ein Signal und führt möglicherweise auch zu schnelleren Entscheidungen.

Um rasch durchregieren zu können - etwa in der Frage, wie klein die Investmentbank denn nun werden soll, - will Sewing die zentralen Figuren in der Bank enger um sich scharen. Intern hat er deutlich gemacht, dass ab sofort Frankfurt den Ton vorgibt, der in der Realität vor allem ein Spardiktat sein wird. Bislang agierten die Kollegen in New York und vor allem in London wie eine Schattenzentrale, mit allerbestem Gewissen. Immerhin schlägt hier das Herz der Unternehmens- und Investmentbank und deren Wohlergehen war Sewings Vorgängern und auch Aufsichtsratschef Paul Achleitner immer ein ganz besonderes Anliegen.

Der neuen Frankfurtisierung der Bank wird ebenfalls Folgen für das Personaltableau rund um Sewing haben. So könnte etwa Strategiechef Ali Almakky die Bank demnächst verlassen. Der Ex-McKinsey-Berater kam erst vor drei Jahren als "Global Head of Corporate Strategy" von Merrill Lynch zur Deutschen Bank und hat seinen Sitz - in London. In den kommenden Wochen muss er sich entscheiden, ob er nach Frankfurt umziehen oder den Dax-Konzern verlassen will.

In Hessen träfe der polyglotte Almakky auf ein Kernteam, das so deutsch ist wie lange nicht mehr in der Deutschen Bank: Wichtigster Vertrauter Sewings im Vorstand ist Karl von Rohr neben Finanzchef James von Moltke; jüngst ist noch Sewings langjähriger Vertrauter Frank Kuhnke als IT-Chef zum harten Kern gestoßen. Kuhnke arbeitet - ähnlich wie Sewing - seit seinem 19. Lebensjahr für die Bank.

Ein schneller Sparkurs, der sich dann rasch im Börsenwert niederschlägt, könnte Sewing ersparen, was noch viel unangehmer sein kann als ein paar Short-Seller: aktivistische Investoren, die bei Unternehmen einsteigen, um deren Management dann ihre Strategie aufzudrücken. Bei Banken haben diese Aktivisten es zwar generell schwer, weil das Geldgewerbe inzwischen stark reguliert ist. Bei entsprechend niedrigem Preis ist aber selbst das verkraftbar. Und mit Cerberus hat ein prominenter Vertreter im November bei der Deutschen Bank den Anfang ja auch schon gemacht.

Weil der Aktienkurs der Deutschen Bank danach aber weiter dahinschmolz, blieb der Konzern weiter eine beliebte Rechengröße unter den Cowboy-Investoren. Eine Truppe von Ex-Bankern von Citi und der implodierten Lehman Brothers aus Hongkong beispielsweise ließ nach Informationen von manager-magazin.de Kontakt zu mehreren ehemaligen und aktiven Spitzenkräften der Bank herstellen, um einen größeren Einstieg durchzurechnen. Eine Art Ablaufplan, einen "plan of action", gab es zu Jahresbeginn auch schon.

Genügend Geld bekamen die Chinesen bislang aber doch nicht zusammen - was auch daran liegt, dass Aufsichtsratschef Achleitner tätig wurde. In einiger Hektik ersetzte er am 8. April Vorstandschef John Cryan durch Christian Sewing. Einen CEO-Wechsel hatten die Aktivisten auch auf ihrem "plan of action" stehen und als Kandidaten unter anderen sogar den Namen Sewing. Nur hatten sie den Austausch von Cryan eigentlich erst für die Zeit nach der Hauptversammlung vorgesehen.

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