02.04.2018 
Diskussion um Deutsche-Bank-Führung hält an

Achleitner will Ex-Merrill-Lynch-Chef in Aufsichtsrat holen

Von
John Thain
REUTERS
John Thain

John Thain und Paul Achleitner verbindet viel. Jetzt will der Chefaufseher der Deutschen Bank den ehemaligen Chef der US-Investmentbank Merrill Lynch in den Aufsichtsrat holen - ausgerechnet Thain, monieren Kritiker. Zugleich gerate Achleitner bei manchen Investoren für seine Nachfolgesuche für Vorstandschef John Cryan in Kritik, heißt es.

Die Diskussion um die Führung der Deutschen Bank hält an. Während John Cryan gegen Gerüchte und um seinen Job kämpft, fiel am Osterwochenende zugleich ein neuer prominenter Name für den Aufsichtsrat. Der ehemalige Chef der US-Investmentbank Merrill Lynch, John Thain, soll nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg im Mai in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank einziehen.

Thain war Chef der New Yorker Börse (2004 - 2007), bevor er mitten in der Finanzkrise an die Spitze von Merrill Lynch wechselte. Ihm werden deshalb sehr gute Kontakte zur Wall Street nachgesagt. Doch Thain ist nicht unumstritten. Der Manager trat zurück, als Vorwürfe über überhöhte Ausgaben und vorgezogene milliardenschwere Boni bekannt wurden. Letztere soll Thain seinen Managern unmittelbar vor der Notfusion mit der Bank of America genehmigt haben. Auch deshalb gilt Thain manchen Kritikern als Fehlbesetzung.

Doch Thain und Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner verbindet nicht nur eine gemeinsame Karriere bei Goldman Sachs, sondern zugleich die Präferenz für das Investmentbanking. Thain und andere neue AR-Mitglieder sollen der Hauptversammlung am 24. Mai vorgeschlagen werden.

Ex-UBS-Banker findet als Cryan-Ersatz wohl keine ungeteilte Zustimmung

Bloomberg nennt hier zudem Michele Trogni, ehemals Führungskraft bei IHS Markit Ltd und UBS Group AG sowie Mayree Clark, ehemals Vermögensverwalterin bei Morgan Stanley. Die Amtszeit der Deutsche-Bank-Aufseher Johannes Teyssen, Dina Dublon, Henning Kagermann und Louise M. Parent läuft in diesem Jahr aus.

Aufsichtsratschef Paul Achleitner soll indes den ehemaligen UBS-Manager Jürg Zeltner auf eine mögliche Nachfolge des amtierenden Vorstandschefs John Cryan angesprochen haben, berichteten Bloomberg als auch der "Spiegel" am langen Oster-Wochenende. Die Gespräche seien laut Bloomberg aber ohne Ergebnis geblieben, da Zeltner wegen seiner mangelnden Führungserfahrung nicht den Rückhalt wichtiger Großaktionäre besitze. Die Deutsche Bank äußerte sich auch dazu nicht.

Cryan selbst hatte sich vor Ostern in einem Brief an seine Mitarbeiter gegen Berichte gewandt, wonach es zwischen ihm und Aufsichtsratschef Achleitner Differenzen über den Kurs gebe. Sein Vertrag läuft regulär bis 2020. Diesen wolle er auch erfüllen, ließ Cryan durchblicken und war damit auf Konfrontationskurs zu Achleitner gegangen.

"Ersetzt Achleitner Cryan, muss er ebenfalls zurücktreten"

Die Beziehung zwischen Achleitner und Cryan gilt als angespannt. Nach drei Verlustjahren in Folge, Rückschlägen beim Umbau und einem darniederliegenden Aktienkurs scheint dem Chefaufseher der Bank die Geduld allmählich abhanden zu kommen. Allein seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 30 Prozent an Wert verloren.

Doch auch Achleitner selbst ist nicht unumstritten. Müsse Cryan gehen, werfe dies nach Meinung einzelner Analysten und Investoren der Bank auch die Frage nach der Zukunft des Chefaufsehers auf. Schließlich führe Achleitner den Aufsichtsrat seit Mai 2012 und sei damit ebenfalls für die aktuelle Misere verantwortlich. "Sollte sich Achleitner jetzt entscheiden, Cryan zu ersetzen, muss er ebenfalls zurücktreten", zitiert Bloomberg unter anderem einen Vermögensverwalter.

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