14.02.2019 
Vor allem US-Sparte in der Kritik

Großaktionäre fordern tiefe Einschnitte bei Deutscher Bank

Von
Deutsche Bank in New York
DPA
Deutsche Bank in New York

Großaktionäre erhöhen den Druck auf Deutsche Bank-Chef Sewing. Sie fordern tiefere Einschnitte im schwächelnden Investmentbanking - vor allem in der US-Sparte der Deutschen Bank. Zugleich scheint der Widerstand gegen Investmentbanking-Chef Garth Ritchie zu wachsen.

Vier der zehn größten Anteilseigner der Deutschen Bank haben tiefere Einschnitte beim Investmentbanking gefordert. Vor allem die Sparte des Geldinstituts in den USA steht im Visier der Investoren, berichtet die "Financial Times" am Donnerstag. Mindestens vier Mitglieder des Aufsichtsrates teilten diese Meinung, heißt es in dem Bericht. Namen der Investoren nennt der Bericht nicht.

Trotz der Rückkehr in die Gewinnzone im vergangenen Jahr: Der Druck auf Vorstandschef Christian Sewing ist gestiegen, da der Aktienkurs der Deutschen Bank in den zehn Monaten seit seinem Amtsantritt um gut ein Drittel gefallen ist. Einer der Großinvestoren habe die Bank kürzlich aufgefordert, das US-Investmentbanking bis zum Sommer verkleinern.

Zweifel bestünden auch an der Position von Garth Ritchie, Chef des Investmentbankings. "Christian muss in den nächsten Monaten etwas ändern", zitierte die Zeitung einen Großaktionär der Bank und verwies auf eine mögliche Verwerfung im Management.

Im vergangenen September hatte der Aufsichtsrat den Vertrag von Ritchie einstimmig um fünf Jahre verlängert. Die FT hatte im vergangenen November allerdings berichtet, dass Mitglieder des Aufsichtsrates auf seine Absetzung drängten. Seitdem seien die Bedenken gewachsen, ob er die richtige Person für den Job ist.

Der Südafrikaner Ritchie arbeitet seit Jahrzehnten für die Deutsche Bank. Er ist Spezialist im Handel mit Aktien. Ritchie war im Frühjahr im Zuge des beschlossenen Vorstandsumbaus alleiniger Chef der Investmentbank geworden. Der Manager sollte zuvor mit seinem Ausstieg gedroht haben.

 Garth Ritchie: Ist er noch der Richtige an der Spitze des Investmentbankings der Deutschen Bank? Einige Großaktionäre des Instituts scheinen das zu bezweifeln
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Garth Ritchie: Ist er noch der Richtige an der Spitze des Investmentbankings der Deutschen Bank? Einige Großaktionäre des Instituts scheinen das zu bezweifeln

"Wir haben unser Geschäft in der Corporate & Investment Bank und in den USA bereits 2018 angepasst", entgegnete die Bank am Donnerstag auf den Bericht. "Wir haben unsere Anpassungen vor dem Zeitplan abgeschlossen und haben nun eine gute Grundlage für Wachstum."

Die Deutsche Bank hatte für das Jahr 2018 nach drei Verlustjahren in Folge wieder den Sprung in die schwarzen Zahlen geschafft. Das Konzernergebnis lag bei 341 Millionen Euro nach einen Nettoverlust von 735 Millionen Euro im Jahr davor.

Das Investmentbanking, das neben dem Handel mit Wertpapieren auch das Beratungsgeschäft bei Fusionen und Übernahmen und die Begleitung von Kunden etwa bei Börsengängen umfasst, musste im Gesamtjahr deutliche Einbußen hinnehmen. Die Erträge sanken um mehr als eine Milliarde Euro auf rund 13 Milliarden Euro. Vor Steuern blieben davon 530 Millionen Euro übrig. 2017 hatte das Vorsteuerergebnis noch bei 1,1 Milliarden Euro gelegen.

"Wir werden 2019 die Kosten weiter senken und gleichzeitig in Wachstum investieren", hatte Vorstandschef Sewing angekündigt. Offenbar aber geht dieser Prozess einigen der größten Investoren der Deutschen Bank nicht schnell genug und reichen ihnen die angekündigten Kostensenkungen auch nicht aus.

mit reuters

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