05.03.2017  Kapitalerhöhung und Teil-Börsengang

Deutsche Bank will sich bis zu 10 Milliarden frisches Kapital besorgen

Von und Tim Bartz
Zentrale der Deutschen Bank.
AFP
Zentrale der Deutschen Bank.

Die Deutsche Bank will mit einem ganzen Aktionsbündel ihre Kapitalkraft stärken und wieder eine Dividende zahlen. Vom 20. März bis zum 6. April will sie ihren Aktionären 687,5 Millionen neue Aktien anbieten, die acht Milliarden Euro an frischem Geld in die Bilanz spülen sollen. Damit würde die harte Kernkapitalquote auf 14,1 Prozent steigen, teilte Deutschlands größtes Geldhaus nach einem Beschluss des Aufsichtsrats am Sonntag mit. Zum Jahresende betrug diese Quote, der wichtigste Gradmesser für die Widerstandskraft einer Bank gegen Marktturbulenzen, 11,9 Prozent.

Dafür bietet die Bank die Aktien zu einem satten Rabatt an: Sie sollen nur 11,65 Euro kosten - fast 40 Prozent weniger als die 19,02 Euro, die eine Deutsche-Bank-Aktie zum Börsenschluss am Freitag kostete. Ein Bankenkonsortium hat die Kapitalerhöhung bereits voll gezeichnet.

Lesen Sie hier aus der Januar-Ausgabe des manager magazins: Ein Liebhaber des Halbschattens - Porträt des wichtigsten Aktionärs der Deutschen Bank

Zudem stoppt das Kontrollgremium um den Vorsitzenden Paul Achleitner den 2015 beschlossenen Verkaufsprozess für die Privatkundentochter Postbank. Das Geldhaus soll statt dessen mit dem Privat- und Kleinfirmengeschäft des Stammhauses zusammengelegt werden.

Als dritten Schritt kündigte der Dax-Konzern den Verkauf eines Minderheitsanteils an der Vermögensverwaltung Deutsche Asset Management über die Börse in den kommenden 24 Monaten an sowie den Abbau weiterer Bilanzpositionen. Diese Schritte sollen "bis zu zwei Milliarden an zusätzlichem Kapital generieren".

Das Aktionsbündel versetzt den Konzern auch wieder in die Lage, eine Dividende zu zahlen. Auf der Hauptversammlung im Mai sollen die Aktionäre eine Dividende von 0,19 Euro je Anteilsschein beschließen.

Mit den Entscheidungen beseitigt die Deutsche Bank einen Großteil der Argumente von Aufsehern und Konkurrenten, die das Geldhaus wegen seiner

vergleichsweise mäßigen Kapitalausstattung immer wieder kritisiert hatten. Zugleich bedeuten sie paradoxerweise aber auch einen Autoritätsverlust für die beiden Spitzenkräfte des Hauses: Aufsichtsratschef Paul Achleitner und Vorstandschef John Cryan.

Die Kapitalerhöhung ist eine Niederlage für Vorstandschef John Cryan - oder zumindest seine öffentliche Positionierung. Noch im Januar hatte er seine Position wiederholt, "am liebsten" ohne Kapitalerhöhung auszukommen.

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