08.09.2017 
Deutsch-Banker fühlen sich immun gegen Cryan-Kritik

Banker arbeiten wie Roboter? Aber doch nur in Indien!

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Die unverhohlene Drohung des Konzernchefs John Cryan hinterlässt in der Deutschen Bank kaum Eindruck, wenn ein Bericht des Karriereportals "E-Financialcareers" repräsentativ ist.

Cryan hatte in dieser Woche auf der Bankentagung des "Handelsblatts" dem angekündigten Abbau weiterer tausender Stellen Nachdruck verliehen und dafür drastische Worte gewählt. "Sehr viele" Jobs ließen sich automatisieren.

Viele Banker arbeiteten schon heute "wie Roboter"; die könne man genauso gut auch durch echte Roboter ersetzen, so Cryan. Die werden beim Schieben langer Zahlenreihen wenigstens nicht abgelenkt oder schlafen ein.

Cryan hob die rund 6000 Buchhalter und Rechnungsprüfer der Deutschen Bank hervor. Viele von denen "verbringen ihre Zeit im Wesentlichen als ein Abakus". Vernichtende Worte, und das von einem, der seine Karriere selbst als Buchhalter begonnen hatte.

"Nicht allzu viel Routine" in London

Doch "E-Financialcareers" hat sich am wichtigen Standort London umgehört, der ohnehin schon wegen des Brexit in Bedrängnis ist. Von Existenzangst jedoch keine Spur, zumindest nicht wegen Cryans Robotervergleich.

"Die Kommentare bezogen sich wohl auf die Finanzfunktionen in Übersee", zitiert das Portal einen anonymen Vertreter des Londoner Büros. "Wo ich bin, kümmern wir uns um höchst maßgeschneiderte Produkte und Transaktionen, sodass wirklich kein Tag wie der vorige ist und es nicht allzu viel Routine gibt." Solche Spezialisten lassen sich natürlich nicht ohne weiteres wegautomatisieren.

Was wie eine Schutzbehauptung oder Zweckoptimismus klingt, wird von dem Headhunter Tom Stoddart von der Firma Eximius Finance bestätigt.

"Die meisten der reinen Zahlenschieberjobs wurden schon vor Jahren ausgelagert", erklärt der. "Die meisten Controller der Deutschen Bank sitzen heute in Mumbai, Bengaluru und Manila, andere in Jacksonville, Florida. Fast keine davon in London."

Ein Teil der Londoner Deutschbanker ist allerdings selbst damit beschäftigt, ein Datenbankprojekt namens Stride zu entwickeln. Das soll in diesem Jahr abgeschlossen werden und künftig einzelne Jobs leichter automatisieren helfen - ob in London oder Mumbai.

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