18.09.2018 
Brexit

London verliert EU-Basis der UBS an Frankfurt

Von
UBS-Chef Sergio Ermotti
AFP
UBS-Chef Sergio Ermotti

Im Rennen um die Gunst in London ansässiger internationaler Banken hat Frankfurt einen dicken Fisch an Land gezogen. Die Schweizer Großbank UBS hat nach Worten ihres Vorsitzenden Sergio Ermotti die Stadt am Main zur Post-Brexit-Basis für ihre Europa-Geschäfte erkoren, sollte es zu einem Brexit ohne Vertrag kommen.

Das Finanzsystem gehe bereits davon aus, dass es zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU keine Einigung gibt, sagte Ermotti Bloomberg TV am Montag in Singapur. Der Schweizer Vermögensverwalter kündigte in diesem Zusammenhang weitere europäische Dependancen in Städten wie Madrid, Mailand oder Paris an.

Man habe die Entscheidung bereits vor Wochen gefällt. "Was auch immer ab jetzt passieren wird, es wird die Sache nicht weniger teurer machen", verdeutlichte Ermotti seine Erwartung steigender Kosten. Nach früheren Aussagen rechne die Bank mit Aufwendungen von rund 103 Millionen Dollar für Rechtskosten und die Verlagerung der Jobs aus der Londoner City, berichtet Bloomberg.

Wie viel UBS-Jobs nach Frankfurt mitziehen, ist noch ungewiss

Derzeit beschäftigt UBS gut 5000 Banker in London. Wie viele von ihnen sie künftig tatsächlich nach Frankfurt schicken wird, ist noch unklar. War zunächst von 1500 die Rede, sollten es zuletzt nur noch etwa 250 UBS-Jobs sein, die von der Themse an den Main verlagert würden, berichtet das Schweizer Finanzportal finews.ch

Großbritannien wird Ende März nächsten Jahres aus der Europäischen Union austreten. Die Finanzbranche erwartet, dass wegen des Brexit mindestens 5000 Jobs aus Großbritannien verlagert werden.

Sehen Sie im Video: Londons Bürgermeister fordert neues Brexit-Referendum

Schon länger ziehen Banken Geschäft und Personal aus London ab, um auch nach einem Ausscheiden der Briten aus der EU, fortgesetzt Dienstleistungen für europäische Kunden anbieten zu können. Das können sie nach dem Brexit nicht mehr so ohne weiteres - vor allem dann nicht, sollten sich EU und Großbritannien nicht auf eine Übergangsregelung einigen können. Das scheint derzeit der Fall zu sein.

Auch die Deutsche Bank bereitet sich intensiv auf diesen Fall vor und erwägt nach einem Bericht der "Financial Times", Vermögenswerte von bis zu 600 Milliarden Euro aus London abzuziehen. Die Bankenaufseher befürchteten andernfalls einen Kontrollverlust über das Kapital und die Liquidität der Bank, heißt es in dem Bericht. Wie viel der gut 7000 Deutsche-Bank-Jobs in London gegebenenfalls davon betroffen sein werden, ist unklar.

Auch Industrieunternehmen ziehen ab

Neben Banken haben auch Industrieunternehmen angekündigt, Personal aus London abzuziehen. So erklärte zuletzt der japanische Elektronik-Konzern Panasonic, Ende Oktober dieses Jahres mit seinem europäischen Hauptsitz nach Amsterdam umzuziehen. Nach Airbus hatte ebenso BMW die britische Regierung unmissverständlich vor den Folgen eines harten Brexit gewarnt. Sollte es bald keine Klarheit geben, müsse man Investitionen auf der Insel überdenken. Der deutsche Autobauer stellt unter anderem den Mini und Autos der Marke Rolls-Royce auf der Insel her und beschäftigt dort rund 8000 Menschen.

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