07.09.2017 
Brexit-Ärger für Deutsche Bank

London droht der Deutschen Bank, John Cryan liebt Frankfurt

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Die Drohung ist stark verschlüsselt. Aber eine Drohung ist sie dennoch. Wie "Business Insider" berichtet, hat die bei der Bank of England angesiedelte britische Bankenaufsicht Prudential Regulation Authority der Deutschen Bank einen Brief geschrieben, in dem sie "ernste Besorgnis" ausdrückt, ob der Frankfurter Konzern nach dem Brexit noch seine Bankenzulassung auf der Insel behalten könne.

Genau wie Bankchef John Cryan, selbst Brite, plant die Behörde für "das Schlimmste, und das ist immer schlimmer, als sich die Leute vorstellen können". So hatte sich der Chef der Deutschen Bank kürzlich zum Brexit geäußert.

In diesem Fall bedeutet das Schlimmste, dass die britischen Aufseher einen Schutzwall um das Bankgeschäft auf ihrem Gebiet ziehen würden, um zu verhindern, dass im Krisenfall Kapital in Richtung der Frankfurter Zentrale abgezogen wird.

Das Beispiel der USA zeigt, wie die Bank of England der Deutschen Bank das Leben schwer machen könnte. Dort musste der Konzern seine US-Tochter mit eigenem Kapital ausstatten und fiel dennoch mehrfach durch die Stresstests der Federal Reserve. Die Wall-Street-Aktivitäten der Deutschen müssen auch eigenständig solide dastehen.

In der City zu bleiben, wird teuer

Solche nationalen Sperren haben die Aufsichtsbehörden einschließlich der deutschen Bafin während der Finanzkrise sogar innerhalb der Euro-Zone errichtet. Beispielsweise wurde der HypoVereinsbank untersagt, Gewinne an den Mutterkonzern Unicredit in Mailand zu überweisen. Der Schutz von Sparern und anderen Finanzmarktakteuren im eigenen Sprengel ging vor die Stabilität des Gesamtsystems.

Das zu überwinden, ist der Anspruch der Europäischen Bankenunion, die erst nach der Krise ins Leben gerufen wurde - mit London als Sitz der Aufsicht. Die soll nun in die Rest-EU umsiedeln, womöglich nach Frankfurt, wo schon die Europäische Zentralbank und die Deutsche Bank sitzen.

Bisher wurden die Brexit-Folgen für die Banken meist so diskutiert, dass sie Aktivitäten von London als dem bislang dominierenden Finanzzentrum des Kontinents abziehen müssen, weil sie die "Passporting"-Rechte verlieren, die ihnen erlauben, von dort aus Geldgeschäfte in der gesamten EU anzubieten.

Auch Cryan nennt einen Abzug der Deutschen Bank von ihrem wichtigsten Standort neben der Zentrale "unvermeidlich". Frankfurt und Berlin gelten als Favoriten, um tausende Banker und Geschäfte mit Multi-Milliarden-Volumen umzusiedeln. Am Mittwoch schwärmte Cryan auf der Bankentagung des "Handelsblatts" von Frankfurt. Die Stadt habe die beste Chance, das neue Finanzzentrum Europas zu werden. "Der Brexit könnte zu einem riesigen Konjunkturprogramm für Frankfurt werden."

Der Brief aus London wirft ein anderes Schlaglicht auf die Brexit-Folgen: Für den wahrscheinlich weitaus größeren Teil von Bankgeschäften, der am international bedeutenden Standort London bleiben soll, braucht es womöglich eigenes Kapital. Will die Deutsche Bank nach dem harten Brexit in der City bleiben, wird es teuer.

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