12.10.2017  Neuer US-Bankenpolizist

Ratingagentur misst Banken-Kriminalität

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US-Schauspieler Nicolas Cage als Film-Polizist: Am Finanzmarkt setzt sich künftig die Ratingagentur Sigma gegen kriminelle Machenschaften ein.
DPA
US-Schauspieler Nicolas Cage als Film-Polizist: Am Finanzmarkt setzt sich künftig die Ratingagentur Sigma gegen kriminelle Machenschaften ein.

Es ist ein Schritt, der längst überfällig erscheint, angesichts andauernder Skandale, Rechtsstreitigkeiten und Milliardenrücklagen für juristische Risiken auf Seiten vieler Banken: In den USA gibt es nun eine Ratingagentur, die ausschließlich die Anfälligkeit der Geldinstitute für kriminelle Machenschaften beurteilt.

Gegründet wurde die Firma namens Sigma Ratings, hinter der sich das renommierte Massachusetts Institute of Technology befindet, bereits im November vergangenen Jahres. Nun hat sie ihr erstes Rating vorgelegt, berichtet das "Wall Street Journal". Demnach erhielt die FIMBank PLC auf Malta 7,24 von 10 möglichen Ratingpunkten.

Grundlage des Sigma-Ratings ist nach Angaben der Agentur ein automatisierter Algorithmus, der sich an internationalen Best-Practice-Standards orientiert. Dem "Wall Street Journal" zufolge fließen dabei gewichtete Informationen über die Produkte der Banken sowie deren geografische Lage und Kundenbasis in die Beurteilung ein. Zudem berücksichtige die Ratingagentur das interne Controlling der Institute und wie sehr dieses im Einklang stehe mit internationalen Regelungen zur Vermeidung von Geldwäsche.

Es gebe bislang keine ausreichende externe Kontrolle risikoreicher Institutionen in riskanten Märkten, zitiert das "WSJ" Stuart Jones, den Chef von Sigma, der früher einmal beim US-Finanzministerium tätig war. Diese Lücke wolle sein Unternehmen schließen.

Obwohl mit dem FIMBank-Rating bislang erst eine Beurteilung vorliegt, befindet sich Sigma eigenen Angaben zufolge bereits in Gesprächen mit 25 Finanzhäusern. Deutsche Banken werden aber wohl vorerst nicht in den Fokus der Agentur geraten: Deren Augenmerk liege vor allem auf kleineren Geldhäusern in Schwellenländern, heißt es, denn diese Firmen befänden sich kaum auf dem Schirm anderer Ratingagenturen.

Auch die FIMBank, eine Tochter der United Gulf Bank von Bahrain, gehört mit Vermögenswerten von etwa 1,7 Milliarden Dollar laut "WSJ" zu den kleineren Plaern in der Branche. Mit dem Rating von 7,24 steht das Institut offenbar eher mittelmäßig da. Nach der Sigma-Systematik ist die Lage einer Bank umso besser, je höher das Rating ausfällt. So stehen 9,01 bis 10 Ratingpunkte für eine "sehr starke Position" des Geldinstituts mit vergleichsweise geringem Risiko, kriminell auffällig zu werden. 7,51 bis 9 Ratingpunkte signalisieren eine "starke Position" mit beherrschbarem Risiko.

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6,01 bis 7,5 Punkte - der Bereich, in dem die FIMBank verortet wurde, also - bedeuten laut Sigma lediglich eine "befriedigende Position". Die Institute in dieser Beurteilungsstufe sollten in der Lage sein, ihr Risiko zu managen, so die Agentur. Sie seien aufgrund ihrer Tätigkeitsfelder allerdings auch in erhöhtem Maße anfällig für kriminelle Risiken.

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