18.01.2017  Deutsche Bank kürzt Boni radikal

"Harte Entscheidung" für Deutschbanker

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"Harte Maßnahmen unumgänglich": Die Deutsche Bank kürzt die Boni für ihre Top-Leute empfindlich
DPA
"Harte Maßnahmen unumgänglich": Die Deutsche Bank kürzt die Boni für ihre Top-Leute empfindlich

Die Deutsche Bank tritt in diesem Jahr womöglich auf die Bonus-Bremse wie keine andere internationale Bank.

In einer internen Mitteilung schreibt der Vorstand den Mitarbeitern, "wir müssen weiterhin unbequeme Wege gehen, die uns viel abverlangen". Nach dem Abschluss des 7-Milliarden-Vergleichs mit der US-Regierung sei das negative Ergebnis für 2016 besser absehbar. "Nun halten wir harte Maßnahmen für unumgänglich." Dazu gehöre, "die variable Vergütung für das Jahr 2016 deutlich zu reduzieren".

Zuvor hatte die "New York Post" berichtet, die Deutsche Bank werde 90 Prozent der Banker und Händler für das vergangene Jahr keine Sondervergütung zahlen.

Tatsächlich gilt diese Zahl wohl bezogen auf die außertariflich Beschäftigten. 75 Prozent der Mitarbeiter seien "nicht oder kaum betroffen", heißt es in dem Bank-Memo.

Wer keinen Bonus bekommt

Manager mit den Titeln Vice President, Director und Managing Director bekämen nur noch die Gruppenkomponente - nicht mehr die individuellen Boni. Der Vorstand selbst verzichte ohnehin freiwillig auf Boni.

Nur ein kleiner Teil der Topbanker, "deren Positionen ganz besonders entscheidend für die Zukunft der Bank sind", bekomme längerfristige Anreize, teilweise in Form von Aktien, die für bis zu sechs Jahre einbehalten werden.

Die "Börsen-Zeitung" zitierte kürzlich aus Aufsichtsratskreisen der Bank, dass das Geldinstitut beim Bonus den "Gürtel enger schnallen" wolle und es eine "deutliche Reduktion" geben werde.

Hintergrund könnte sein, dass die Bank nach Alternativen zu der Bonuszahlung in bar sucht, um ihre Kapitaldecke aufzupolstern und so schneller das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Eine diskutierte Idee sei daher zum Beispiel, die Cash-Komponente durch Aktien des eigenen Instituts zu ersetzen.

Die Deutsche Bank geht weit über die geplanten Bonus-Kürzungen der US-Wettbewerber hinaus. Hier stehen laut anonymen Umfragen Kürzungen zwischen 10 bis 20 Prozent bevor. Morgan Stanley etwa erwägt nach jüngsten Bericht, die Sondervergütungen für seine Investmentbanker um 15 Prozent zu kürzen.

Die Deutsche Bank hatte in den vergangenen Jahren den Gesamtbetrag für die variable Vergütung kontinuierlich abgeschmolzen - von 3,2 Milliarden Euro für 2013 auf 2,4 Milliarden Euro für 2015 -, zugleich aber den Festvergütungen ein höheres Gewicht eingeräumt. Wenn Deutschlands größtes Geldhaus am 2. Februar seine Bilanz für das Jahr 2016 vorlegt, erwarten Analysten nach dem Rekordverlust von 6,8 Milliarden Euro in 2015 auch für das abgelaufene Geschäftsjahr tiefrote Zahlen.

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