26.01.2018 
Wolf-Henning Scheider soll Autozulieferer führen

ZF Friedrichshafen wirbt neuen Chef bei Konkurrenten ab

Von , Davos
Führt künftig einen der größten Autozulieferer der Welt: Wolf-Henning Scheider.
Mahle
Führt künftig einen der größten Autozulieferer der Welt: Wolf-Henning Scheider.

Der zuletzt von Machtkämpfen durchgeschüttelte Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen hat einen neuen Vorstandschef gefunden. Nach Informationen von manager-magazin.de soll Wolf-Henning Scheider künftig den Antriebs-Spezialisten mit einem Jahresumsatz von zuletzt mehr als 35 Milliarden Euro leiten. Bislang steht der 55-Jährige noch in Diensten des rund halb so großen Konkurrenten Mahle (Umsatz zuletzt rund 12,3 Milliarden Euro).

Die Neubesetzung war nötig geworden, nachdem der bisherige CEO Stefan Sommer sich mit dem Eigentümer des Unternehmens, der Stiftung des Stadt Friedrichshafen, überworfen hatte und Anfang Dezember gehen musste. Der Zeppelin-Stiftung gehören 93 Prozent des Konzerns mit rund 137.000 Beschäftigten.

Die rasche Verpflichtung Scheiders ist ein Erfolg für Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand. Sein neuer wichtigster Angestellter leitete vor seiner Zeit bei Mahle mit der Kraftfahrzeugtechnik die Keimzelle und umsatzstärkste Sparte des weltweit führenden Automobilzulieferers Bosch. Dort geriet er mit den Eigentümern wegen seiner Expansions-Ideen aneinander. Wie ZF ist auch Bosch im Besitz einer Stiftung.

Pikanterweise musste Scheiders Vorgänger Sommer bei ZF ebenfalls wegen einer Expansionsidee gehen. Er hatte den belgischen Bremsenhersteller Wabco übernehmen wollen und das Projekt zur Vertrauensfrage stilisiert. Dem Aufsichtsrat allerdings war der Preis deutlich zu hoch, zudem leuchtete ihm die industrielle Logik nicht ein.

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Schon während des Konflikts hatte Bürgermeister Brand den Markt nach möglichen Ersatzkandidaten für Sommer durchforsten lassen und zwischenzeitlich mit dem Personalausschuss des Aufsichtsrats eine Liste von acht Personen diskutiert. Am Ende setzte sich Scheider wegen seiner Branchenexpertise, Führungserfahrung und Expertise in der Kultur von Stiftungsunternehmen eindeutig durch. Die Entscheidung für Scheider soll in naher Zukunft kommuniziert werden, möglichst auch schon mit einem konkreten Datum für den Wechsel.

Ein Sprecher des Konzerns wollte die Informationen nicht kommentieren.

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