17.04.2018 
Daimler-Großaktionär Geely drängt auf Kooperation

Li Shufu hat schlechte Karten für neue Daimler-Allianzen

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Li Shufu, Gründer und Chef des chinesischen Autokonzern Geely
REUTERS
Li Shufu, Gründer und Chef des chinesischen Autokonzern Geely

2. Teil: Auch BYD hat wenig von einer E-Auto-Kooperation mit Geely

Daimlers zweiter Partner in China ist der Konzern BYD, der sich auf Batterietechnik und entsprechende Fahrzeuge spezialisiert hat. Direkt beteiligt ist Daimler an BYD nicht. Seit 2012 betreiben die Stuttgarter mit BYD ein Jointventure, das Elektroautos der Marke Denza herstellt. Daimler stellt dafür eine ältere Plattform der B-Klasse zur Verfügung, die Denza stark modifiziert hat. Von BYD stammen der Akku und der Elektroantrieb.

Bislang waren die seit 2014 verkauften Denza-Fahrzeuge zwar eher Ladenhüter mit chinaweiten Verkaufszahlen von weniger als 3000 Stück pro Jahr. Doch Daimler hält dem Jointventure nach wie vor die Treue, vor kurzem bekam der Denza eine deutlich stärkere Batterie und ein Facelift verpasst.

Mit seinen sonstigen Elektro-Mobilen ist BYD allerdings durchaus erfolgreich unterwegs, kein Autohersteller in China verkauft mehr E-Autos. Zuletzt kam BYD auf einen Marktanteil von 20,4 Prozent bei reinen Batteriewagen in China.

Und auch bei Elektrobussen und -nutzfahrzeugen kann BYD, an dem der US-Starinvestor Warren Buffett beteiligt ist, punkten: In China fahren bereits zehntausende Elektro-Busse von BYD, in Marokko bauen die Chinesen ein erstes Nutzfahrzeug-Werk auf.

Kaum Unterstützung von Investorenseite zu erwarten

Zwar hat BYD zuletzt in China kräftig Marktanteile bei Elektroautos verloren, weil die Konkurrenz stärker wurde. Und ein genauerer Blick in die Finanzen verrät, dass ein Großteil von BYDs Umsätzen im Automobilbereich noch immer von konventionellen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor stammt. Doch auch BYD dürfte sich gerade bei E-Autos keine großen Sprünge von einer Kooperation mit Geely erwarten.

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Als Unterstützer für Lis Kooperations-Aufruf fällt also auch Geely aus. Verbünden könnte sich Li auch noch mit weiteren größeren Daimler-Anteilseignern. Das sind durchwegs institutionelle Investoren, und deshalb sind Lis Chancen für tatkräftige Unterstützung seiner Allianz-Hoffnungen eher klein.

Zweitgrößter Daimler-Aktionär ist der kuweitische Staatsfonds, dem 6,8 Prozent an Daimler gehören. Die Kuweitis sind seit über 40 Jahren an dem Stuttgarter Autohersteller beteiligt - und fielen bislang vor allem durch Zurückhaltung auf. Drittgrößter Anteilseigner ist der weltgrößte Vermögensverwalter BlackRock, der 5,5 Prozent der Daimler-Aktien besitzt. Zuletzt ermahnte Blackrock-Chef Larry Fink zwar in einem Brandbrief, längerfristig zu denken und zu zeigen, welchen Beitrag sie für die Gesellschaft leisten.

Doch ob der Vermögensverwalter-Riese darunter auch eine stärkere Zusammenarbeit mit einem chinesischen Autohersteller versteht und Geely deshalb unterstützt, bleibt eher fraglich.

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